{"id":1,"date":"2016-05-03T04:08:41","date_gmt":"2016-05-03T04:08:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wp442m.a10-52-158-154.qa.plesk.ru\/wordpress\/?p=1"},"modified":"2016-06-16T12:30:55","modified_gmt":"2016-06-16T12:30:55","slug":"hello-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/babs.zovi.ch\/?p=1","title":{"rendered":"Trekking 2015 &#8211; Nachwort"},"content":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich, dass ich in den ersten Tagen meiner Wanderung immer wieder an die Zivilisation gedacht habe. Wie sch\u00f6n es w\u00e4re, Internet zu haben, warmes, fliessendes Wasser, eine richtige Toilette, ab und zu einen guten Freund an der Seite, an jeder Ecke einen kleinen Supermarkt, etc. Ich habe mich oft gefragt, warum ich mir so etwas eigentlich antue und was mich dazu gebracht hat, mich f\u00fcr diese Art von Ferien zu entscheiden. Ich habe mich nach jeder Etappe immer sehr auf die Zivilisation gefreut und bereits ein paar Tage bevor ich dort ankam habe ich mir immer wieder \u00fcberlegt, was ich mir alles kaufen will, was ich alles tun will, wen ich alles anrufen will.<\/p>\n<p>Doch jedes Mal, sobald ich in der Zivilisation angekommen war, w\u00fcnschte ich mir, ich w\u00e4re noch nicht dort. Es war mir immer zu laut, zu viele Menschen, zu viele Ger\u00e4usche. Am schlimmsten waren die Superm\u00e4rkte. So viele Lebensmittel im \u00dcberfluss. Ich erinnere mich, dass ich in Kilpisj\u00e4rvi, meinem ersten Etappenziel, fast den Tr\u00e4nen nahe war, als ich im Laden stand. Ich war v\u00f6llig \u00fcberfordert mit so viel Auswahl und diese Menschen \u00fcberall.. und das alles nur nach 10 Tagen in der Wildnis.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-449 alignleft\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150915_115355-300x169.jpg\" alt=\"20150915_115355\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150915_115355-300x169.jpg 300w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150915_115355-768x432.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150915_115355.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Im Bus nach Stockholm, die Fahrt dauerte ca. 8 Stunden, bin ich fast durchgedreht.. Hinter mir war jemand erk\u00e4ltet und nieste mir dauernd ins Genick und vor mir sass eine Frau, welche sich die Fingern\u00e4gel zurechtgefeilt hatte. Diese Ger\u00e4usche trieben mich fast in den Wahnsinn. Und als ich endlich aus diesem Bus aussteigen konnte, war ich mitten in einer Stadt, umgeben von Motorenl\u00e4rm und so vielen Menschen, dass ich erst mal einfach irgendwo in einer Ecke stand und am liebsten in Tr\u00e4nen ausgebrochen w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Helsinki habe ich meine f\u00fcnf Finnischen Freunde, Nina, Sami, Anton, <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-451 alignright\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150920_140336-169x300.jpg\" alt=\"20150920_140336\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150920_140336-169x300.jpg 169w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150920_140336.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/>Katri und Jani wieder getroffen. Ich freute mich unheimlich, diese tollen Leute wieder zu sehen. Doch nach zwei Tagen &#8211; und es waren wirklich zwei sch\u00f6ne Tage &#8211; war ich so m\u00fcde vom Zuh\u00f6ren, Reden und einfach Pr\u00e4sent sein, dass ich in Tallinn (angeblich eine wundersch\u00f6ne Stadt) in meinem Zimmer geblieben bin und erst wieder rauskam, als ich den Bus zur Weiterreise nehmen musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-455 alignleft\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150921_133506-300x169.jpg\" alt=\"20150921_133506\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150921_133506-300x169.jpg 300w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150921_133506-768x432.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/20150921_133506.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Erst in P\u00e4rnu, einem kleinen St\u00e4dtchen in Estland, konnte ich wieder unter Menschen gehen. Da dort aber Zwischensaison war, gab es fast keine Touristen. Dort lernte ich Lukas kennen, ein Schweizer aus Biel, welcher seit sieben Monaten mit dem Fahrrad unterwegs war. Mit ihm habe ich mich sehr gut verstanden und ich glaube er hat gemerkt, wie \u00fcberfordert ich mit der ganzen Situation war. Noch heute schreiben wir ab und zu miteinander, um zu wissen wie die n\u00e4chsten Reisepl\u00e4ne aussehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Riga blieb ich nur eine Nacht, an welche ich mich ehrlich <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-452 alignright\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150922-WA0008-300x169.jpeg\" alt=\"IMG-20150922-WA0008\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150922-WA0008-300x169.jpeg 300w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150922-WA0008-768x432.jpeg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150922-WA0008.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>gesagt nicht mehr genau erinnern kann.. Im Hostel wurde ich mit einem Willkommens-Shot begr\u00fcsst und bald sass ich mit all den Backpackern am Tisch, mit viel Bier und einem Kartenspiel. Irgendwann giengen wir noch in einen Nachtclub, wo wir bis sp\u00e4t in die Nacht blieben. Wie ich den Weg zur\u00fcck ins Hostel gefunden habe, weiss ich nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ziemlich fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen musste ich wieder raus, ich hatte einen Bus nach Berlin gebucht, in welchem ich nun 22 Stunden verbringen w\u00fcrde. Ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie eine so schlimme Busfahrt gehabt.. Mir war hundeelend und die ganze Fahrt \u00fcber konnte ich mich nicht wirklich stillhalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-453 alignleft\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150926-WA0005-300x169.jpg\" alt=\"IMG-20150926-WA0005\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150926-WA0005-300x169.jpg 300w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150926-WA0005-768x432.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG-20150926-WA0005.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Fr\u00fch morgens kam ich dann v\u00f6llig fertig in Berlin an, auf der Suche nach einem Hostel f\u00fcr ein paar N\u00e4chte. Ich wollte 3 N\u00e4chte in Berlin bleiben. Hier lernte ich Emily kennen, eine Kanadierin, welche mit mir im Zimmer schlief. Mit ihr verbracht ich meine Tage in Berlin. Ich hatte mich auch noch mit Manu, meinem guten Freund und meinem Guide, welcher ich auf meiner Kanutour in Schweden im 2014 kennen gelernt hatte, verabredet. Wir machten am Fluss in Berlin ein Picknick und redeten \u00fcber Gott und die Welt. Es war sch\u00f6n ihn zu sehen. In seiner Gegenwart sehe ich die Dinge immer viel entspannter, er schafft es irgendwie immer, mich mit seiner Gelassenheit anzustecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich endlich Richtung Schweiz unterwegs war, beschloss ich, nach Luzern zu fahren und von dort aus nach Hause zu wandern. Das w\u00fcrde mir nochmal 10 Tage in der Natur geben, bevor ich wieder zu Hause sein w\u00fcrde. Es tat gut wieder so unterwegs zu sein, doch wann immer mich ein Postauto auf dem Weg \u00fcberholte, w\u00fcnschte ich mir sehns\u00fcchtig, wieder in der Wildnis zu sein. Hier starrten mich die Menschen an, sie musterten mich und hier war es nicht mehr egal ob dick oder d\u00fcnn, modisch oder nicht. Ich f\u00fchlte mich als Aussenseiter.<\/p>\n<p>Bald war ich wieder zu Hause, ich freute mich sehr, meine Familie wieder zu sehen. Doch schon nach ein paar Stunden musste ich mich entschuldigen und einfach f\u00fcr mich sein. Es war mir zu viel. Zu viel L\u00e4rm, zu viele Menschen und zu viel Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Meine ersten Wochen im B\u00fcro wurden zu den Schlimmsten \u00fcberhaupt. Jeden Abend waren meine Beine und F\u00fcsse v\u00f6llig geschwollen vom Sitzen, ich hatte dauernd Wallungen, ich hatte oft das Gef\u00fchl zu ersticken. Entweder musste die B\u00fcrot\u00fcr zum Korridor offen sein oder ein Fenster, sonst f\u00fchlte ich mich sofort unwohl. Jeden Abend trieb es mich in die W\u00e4lder und ich fieng an, mich von all den Menschen, die ich liebe, zu distanzieren. Ich verbrachte fast jedes Wochenende alleine zu Hause, keine Lust mehr auszugehen und mit jemandem zu sprechen. Wenn ich doch mal mit meinen Freunden unterwegs war, f\u00fchlte ich mich oft fehl am Platz, ich geh\u00f6rte hier nicht mehr hin. Mein altes Ich vielleicht, aber nicht ich.<\/p>\n<p>Bald beschloss ich, dass ich hier weg muss, bevor ich an meiner Depression ersticke. Also buchte ich den Flug und k\u00fcndete meinen Job.<\/p>\n<p>Erst seit Kurzem, seit meine Zeit hier in der Schweiz absehbar geworden ist, geht es mir wieder gut. Ich gehe wieder unter Menschen, lerne sogar ab und an neue Freunde kennen, ja, ich gehe momentan sogar gerne zu Arbeit. Mir ist eines klar, nie wieder werde ich einen B\u00fcrojob annehmen. Ich will gl\u00fccklich sein, das Leben ist einfach viel zu kostbar um es mit Depressionen oder Fernweh zu verschwenden. Jetzt bin ich jung und frei, dass zu tun, worauf ich Lust habe. Und genau so werde ich mein Leben von nun an leben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich, dass ich in den ersten Tagen meiner Wanderung immer wieder an die Zivilisation gedacht habe. 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