{"id":720,"date":"2021-08-30T06:04:42","date_gmt":"2021-08-30T06:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/babs.zovi.ch\/?p=720"},"modified":"2023-01-04T14:32:43","modified_gmt":"2023-01-04T14:32:43","slug":"emma-wie-420gramm-mein-leben-veranderten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/babs.zovi.ch\/?p=720","title":{"rendered":"Emma &#8211; wie 420Gramm mein Leben ver\u00e4nderten"},"content":{"rendered":"\n<p>Mein Job als Betriebsleiterin von zwei Bergrestaurants erf\u00fcllte mich sehr. Ich liebte es, Verantwortung zu tragen und selber entscheiden zu d\u00fcrfen. Im Winter 19\/20 lernte ich auf dem Berg meinen jetzigen Lebenspartner kennen. Als ich im Juli 2020 einen positiven Schwangerschaftstest in den H\u00e4nden hielt, war ich zuerst geschockt. Geplant war dieses kleine Wunder definitiv nicht und meiner Meinung nach, h\u00e4tte dieses gut noch zwei Jahre warten k\u00f6nnen. Bald aber freuten wir uns beide auf unser kleines Wunder. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwangerschaft verlief eigentlich gut, abgesehen von hier und da ein paar Wehwehchen hatte ich keine Beschwerden. Als im Dezember 2020 die neue Saison startete, war ich topfit und freute mich auf einen weiteren Winter auf meinem Lieblingsberg. Roger und ich hatten zu diesem Zeitpunkt keine eigene Wohnung, weshalb ich wie letztes Jahr ein Zimmer auf dem Berg bezog. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. Januar 2021, in der Schwangerschaftswoche 25\/0, hatte ich eine weitere Kontrolle inklusive einem Glukosetest. Hierzu musste ich n\u00fcchtern gehen, nicht einmal Z\u00e4hne putzen wurde mir erlaubt. Nie im Leben h\u00e4tte ich gedacht, dass ab diesem Tag mein ganzes Leben eine drastische Kehrtwendung machen w\u00fcrde.. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Blutdruck war extrem erh\u00f6ht, Eiweiss wurde im Urin nachgewiesen. Als die Frauen\u00e4rztin einen Ultraschall machen wollte, war ich zuerst erfreut, ich liebte es, meinem Baby im Bauch zu zusehen. Diese blieb aber ernst und still. Langsam bekam ich Angst. Die Worte &#8222;Irgendetwas stimmt hier nicht&#8220; werde ich wohl nie vergessen. Die Frauen\u00e4rztin sagte weiter aber nicht viel, sondern meinte nur, ich m\u00fcsse zur Kontrolle nach Bern ins Inselspital fahren. Da ich mir f\u00fcr den ganzen Tag frei genommen hatte, sagte ich ihr, dass dies kein Problem sei, ich w\u00fcrde sonst gleich da hin fahren. &#8222;Nein Frau S., entweder rufen Sie jemanden an, der Sie fahren kann, oder ich bestelle Ihnen die Ambulanz.&#8220; Baff, schon wieder eine Ohrfeige. Roger kam schliesslich und wir fuhren zusammen nach Bern. <\/p>\n\n\n\n<p>In Bern wurde ich mit dem Rollstuhl in Empfang genommen. Ich sch\u00e4mte mich ein bisschen, mir ging es doch super. Dauernd schwirrten mehrere Menschen um mich rum, eine versuchte mir einen Zugang zu legen, w\u00e4hrend andere mich ausfragten. Roger und ich konnten ab und zu nur einen \u00e4ngstlichen Blick austauschen. Nach einem grossen Ultraschall kam dann die ern\u00fcchternde Diagnose. Schwangerschaftsvergiftung. Was das genau war, wusste ich nicht, wurde mich auch nicht wirklich erkl\u00e4rt. Als ich einer \u00c4rztin sagte, wie lange das gehen w\u00fcrde und wann ich nach Hause d\u00fcrfte, sagt sie nur: &#8222;Sie werden das Spital bestimmt nicht mehr schwanger verlassen.&#8220; Meine Gegenfrage war einfach.. Was soll ich den bitte 15 Wochen lang im Spital machen? &#8222;Ihre Schwangerschaft wird wenn wir Gl\u00fcck haben noch mehrere Stunden dauern. Wenn wir noch mehr Gl\u00fcck haben, ein paar Tage. Wenn wir unwahrscheinlich viel Gl\u00fcck haben, noch eine bis zwei Wochen.&#8220;  Bam, das sass. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum weinen war keine Zeit, dauernd wurde ich wieder untersucht. Die erste Lungenreife wurde gemacht und ich wurde mit Magnesium versorgt. Meine Schwester brachte mir ein paar Unterhosen und Socken. Irgendwann gegen 20.00 Uhr bekamen wir endlich etwas zu essen. Ich war so froh, Roger bei mir zu haben. Ich denke, sonst w\u00e4re ich zusammengebrochen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Mitternacht wurde ich auf einen anderen Stock verlegt, dort hatte ich eine Zimmernachbarin und wegen Corona musste Roger gehen. Schlafen konnte ich fast nicht, andauernd kam wieder jemand ins Zimmer und untersuchte mich. <\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde die zweite Lungenreife gemacht und ein Neonatologe kam, um uns aufzukl\u00e4ren. Die Chancen, dass das Baby ganz gesund aus dieser Geschichte rauskommen w\u00fcrde, w\u00e4re unter 10%, die allgemeinen \u00dcberlebenschancen bei etwa 50%. Das Baby wurde auf 400 Gramm gesch\u00e4tzt. Der Arzt war sehr ehrlich, alleine aufgrund der Schwangerschaftswoche w\u00fcrden sie unsere Tochter \u00fcberhaupt nehmen, das Gewicht w\u00e4re das, eines 21-W\u00f6chigen Babys, und diese h\u00e4tten in der Regel keine Chance zu \u00dcberleben. Wir mussten uns zudem entscheiden, ob wir \u00fcberhaupt mit dem Baby k\u00e4mpfen wollten, falls von Anfang an eine Behinderung da w\u00e4re. Bitte was? <\/p>\n\n\n\n<p>Am Freitag, 15. Januar 21 wurde nochmal ein grosser Ultraschall gemacht. Der Arzt meinte, meine Werte w\u00e4ren deutlich besser und auch die Versorgung des Babys w\u00e4re besser geworden. Wir atmeten auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Samstag, 16. Januar 21 waren pl\u00f6tzlich die Herzt\u00f6ne des Babys schlecht, ich musste Roger anrufen, das Baby w\u00fcrde jetzt geholt werden. Ich wurde in den Geb\u00e4rsaal verlegt. Nach weiteren 3 Stunden am CTG und vielen Ultraschallen, wurde ich wieder in mein Zimmer gebracht. Fehlalarm. An diesem Tag entschieden wir uns f\u00fcr den Namen unseres Kindes. Emma. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag, 17. Januar 21 wachte ich schon fr\u00fch auf. Ich musste dringend zur Toilette, wartete aber geduldig auf die Krankenpflegerin. Wenn ich schon vor der ersten Blutdruckmessung aufstehen w\u00fcrde, w\u00e4re dieser bestimmt wieder viel zu hoch. Als mein Blutdruck endlich gemessen war stand ich auf. Schon auf dem Weg zur Toilette hatte ich das Gef\u00fchl, als w\u00fcrde ich bereits pinkeln. Endlich auf der Toilette machte es einmal Platsch. Ich schaute in die Toilette und diese war voller Blut. Mit wurde schwindlig. Ich wusste, dass es nun kein Zur\u00fcck mehr geben w\u00fcrde. Unsere Tochter w\u00fcrde an diesem Sonntag geholt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich wurde sofort in den Geb\u00e4rsaal gebracht. Erneut musste ich Roger anrufen. Dieser kam gerade von der Nachtschicht und dachte, dass es bestimmt wieder Fehlalarm w\u00e4re und ass zuhause erst mal noch Fr\u00fchst\u00fcck. Erst wollten die \u00c4rzte auf Roger warten, irgendwann entschieden sie jedoch, dass es jetzt Zeit w\u00e4re. Ich bekam die Spritze in den R\u00fccken und bald schon wurde an mir gezerrt und ger\u00fcttelt. Ich hatte Panik, was passiert mit mir? Ich schrie die eine Hebamme neben mir an, was zum Teufel denn da mit mir gemacht w\u00fcrde? Ich f\u00fchlte mich wie ein St\u00fcck Brotteig, welcher noch geknetet werden musste und einfach hin und her geworfen wurde. Dass unsere Tochter weggebracht wurde merkte ich nicht und irgendwann, als die \u00c4rzte die Lampe \u00fcber mir verschoben, konnte ich darin gespiegelt sehen, was sie machten. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich ruhiger. Irgendwann war Roger da und bald darauf war alles schon vorbei. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst einige Stunden sp\u00e4ter wurde ich mit dem Bett in die Intensivstation der Neonatologie geschoben und da durfte ich Emma das erste Mal sehen. Durch die Scheibe des Inkubators konnte ich in Plastik gewickelt und mit einer viel zu grossen M\u00fctze etwas kleines, dunkelrotes sehen. Unsere Emma. Sie war nur 420 Gramm schwer und 27 cm lang. Geboren in der 25\/4 SSW. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210118_105724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-731\" width=\"298\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210118_105724.jpg 1024w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210118_105724-300x225.jpg 300w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210118_105724-768x576.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210118_105724-655x491.jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn ich nun zur\u00fcck an diese Zeit kurz vor und auch nach Emmas Geburt zur\u00fcckdenke, ist alles sehr unklar und verschwommen. Wie als h\u00e4tte ich alles nur getr\u00e4umt. In welcher Gefahr Emma und auch ich damals gewesen waren, ist mir immer noch nicht wirklich bewusst. Emma war intubiert, da sie aber so klein war, wurde der Beatmungsschlauch nicht durch die Nase, sondern durch den Mund gef\u00fchrt. Erst nach 4 Tagen durften wir sie das erste Mal aus der Isolette nehmen und auf unserer Brust schlafen lassen. Ich habe erst sehr viel sp\u00e4ter den Geburtsbericht lesen d\u00fcrfen. Darin steht, dass Emma zu keinem Zeitpunkt alleine geatmet hatte. Die erste erfolgreiche Intubation erfolgte erst in ihrer 60. Lebensminute. Ich bekomme immer noch H\u00fchnerhaut wenn ich das h\u00f6re. Roger erz\u00e4hlte mir sp\u00e4ter, dass er zuerst zu Emma gebracht wurde, bevor er zu mir in den OPS kam. Von Emma h\u00e4tte er nichts gesehen und die Stimmung dort war \u00e4usserst angespannt und hektisch gewesen. Er wurde fast sofort wieder rausgeschickt. Uns war nicht bewusst, wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod bei Emma war. F\u00fcr uns war immer klar, dass Emma \u00fcberleben w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Woche wurde Emma das erste Mal extubiert und mit einer kleinen Maske \u00fcber die Nase wurde sie nur noch Atemunterst\u00fctzt. Eine ganze Woche atmete sie selber. Am siebten Tag mit CPAP bekam Emma einen Infekt, sie wog nur noch 360 Gramm. Die \u00c4rzte waren besorgt und aufgrund ihrer Ersch\u00f6pfung wurde Emma wieder intubiert. Wir waren am Boden zerst\u00f6rt. Einen Schritt vorw\u00e4rts und zwei wieder zur\u00fcck. Ich denke manchmal, gut, dass wir nicht gewusst hatten, was noch alles auf uns zukommt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Emma hatte total 8 Infekte und bekam 5 Bluttransfusionen. Das Schlimmste aber waren die Extubationsversuche. Man hofft und betet, dass es diesmal funktioniert und Emma nicht mehr beatmet werden muss. Man sieht, wie die kleine k\u00e4mpft und dabei immer grauer wird. Man h\u00f6rt, wie die Pflegerinnen laut werden und einen Arzt verlangen, wie gebeutelt wird, es wird hektisch, man wird irgendwann rausgeschickt, das m\u00fcssen Sie nicht mit anschauen, Frau S. Wie Emma hellgrau und regungslos daliegt, dieses Bild verfolgt mich noch heute. Total hatten wir 12 gescheiterte Extubationsversuche. 12 Mal alle Hoffnungen zerschmettert und panische Angst um das eigen Kind. <\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann sah man dann, dass Emma eine Stenose in der Luftr\u00f6hre hatte, welche ihr das Atmen erschwerte. Es wurde in zwei Eingriffen versucht, diese Verengung wegzulasern. Bei einer weiteren Kontrolle wurde festgestellt, dass das Gewebe, welches gelasert wurde, wieder nachgewachsen war. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Gespr\u00e4ch mit diversen Spezialisten und Fach\u00e4rzten wurden uns lediglich zwei Optionen aufgez\u00e4hlt. A) Emma bleibt intubiert und sediert und wir warten einen Monat und versuchen eine weitere Extubation oder B) Emma bekommt ein Tracheostoma. Option A war f\u00fcr uns eigentlich keine Option, denn schon kurz nach ihrer Geburt hatte Emma sich gegen diesen Schlauch in der Nase gewehrt. Damit es f\u00fcr sie ertr\u00e4glicher wurde, hatte sie seit dem ersten Tag Morphium, welches in einer immer h\u00f6heren Dosis eingesetzt werden musste. Mittlerweile ben\u00f6tigte sie bereits ein weiteres Sedierungsmittel, da sie bereits die H\u00f6chste f\u00fcr ihr Gewicht m\u00f6gliche Dosis Morphium bekam. Option B war mir ein Gr\u00e4uel.. Ein Luftr\u00f6hrenschnitt w\u00e4re das erste Mal eine Operation, welche meiner sch\u00f6nen Emma eine sichtbare Narbe hinterlassen w\u00fcrde. Ausserdem bliebe diese Trachkan\u00fcle \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. Da aber wie schon erw\u00e4hnt Option A nicht weiter in Frage kam, entschieden wir uns f\u00fcr das Tracheostoma. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 25. Mai 2021, nach 4 Monaten mit dem Tubus in der Nase, wurde dieser endlich endg\u00fcltig rausgenommen. Abgesehen von der Magensonde hatte Emma nun keine Schl\u00e4uche mehr im Gesicht und vom ersten Moment, als ich sie nach der OP sah, wusste ich, dass dieses Tracheostoma die beste Idee seit langer langer Zeit war. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210529_161146.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-732\" width=\"243\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210529_161146.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210529_161146-225x300.jpg 225w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210529_161146-655x873.jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Zeit auf der Intensivstation der Kinderklinik war sehr schwer. 4 Monate lang waren wir auf der Intensivstation der Neonatologie und hatten in dieser Zeit s\u00e4mtliches Pflegepersonal sowie alle \u00c4rzte kennen und sch\u00e4tzen gelernt. Meine kleine Emma nach 4 Monaten in v\u00f6llig fremde H\u00e4nde zu geben, war f\u00fcr mich das Schwerste \u00fcberhaupt. Dazu kam, dass auf der Kinder IPS alles anders gemacht wurde als wir es gekannt hatten. Morphium wurde pl\u00f6tzlich nicht mehr oral gegeben, sondern \u00fcber ein PVK, f\u00fcr jede Kleinigkeit wurde Emma einfach sediert, wir durften nur noch einzeln zu Emma und nicht mehr zusammen, bei der Arztvisite mussten wir immer raus. Sowieso sah man dort selten einen Arzt und oft wussten wir nicht, wie es Emma eigentlich geht. <\/p>\n\n\n\n<p>Anfang Juni 2021 bat ich die Pflegerinnen, Emmas Blutwerte zu kontrollieren. Emma machte auf mich den Eindruck, wieder einen Infekt zu haben. &#8222;Ihrem Kind fehlt nichts, die Werte auf dem Bildschirm sprechen gegen einen Infekt.&#8220; Am n\u00e4chsten Tag hatte Emma 40 Grad Fieber. Wieder wurde Antibiotika gegeben. Als dann auch noch das PVK kaputt war, war der Arzt bereits leicht genervt. Eigentlich h\u00e4tte er jetzt keine Zeit. Drei Mal hatte er Versucht, Emma zu stechen, jedes Mal schaffte er es nicht. Jedes Mal wurde sie dazu noch mehr mit Dormikum zugedr\u00f6hnt. Nach dem dritten Versuch schickte mich der Arzt raus, nun w\u00fcrde er einen Zentralen Kateter legen. Ich wurde w\u00fctend, was soll das? Nach zwei Stunden wurde ich wieder ins Zimmer gelassen. Nun w\u00fcrden sie nur noch kurz ein R\u00f6ntgen machen und dann w\u00e4ren sie fertig mit dem Kateter. Da sich aber Emma bereits wieder zu viel bewegte, wurde ihr nochmal einen Schuss gegeben. Und nochmal. Und weil sie dann immer noch w\u00fctend war und zappelte, nochmal. Danach konnten sie in Ruhe das R\u00f6ntgenbild machen. Als Emma wieder zu sich kam, sch\u00e4umte sie aus dem Mund und machte ganz abstrakte Bewegungen. Das war f\u00fcr mich zu viel. Ich rastete aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Arzt oder Pfleger, welcher ich traf, warnte ich.  Falls nochmal irgend eine Sedation verabreicht werden w\u00fcrde, ohne dass ich mein OK dazu gegeben habe, werden wir vor Gericht gehen oder Spital wechseln.  Ich schrieb eine Liste mit meinen Reklamationen und schickte diese an die Chefetage. Ich versuchte, wann immer m\u00f6glich bei Emma zu sein und Googelte s\u00e4mtliche Medikamente, welche ihr verabreicht wurde, hinterfragte jedes Detail. Bald schon war ich die hysterische Mutter. Aber ich konnte nicht mehr schlafen, hatte nur noch Alptr\u00e4ume. Zum ersten Mal seit Emmas Geburt hatte ich wirklich richtig Angst um sie. Alles was davor war, war nicht zu vergleichen. Ich konnte niemandem vertrauen und konnte mich Abends nur sehr schwer von Emma losreissen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Brief an die Chefetage zeigte Wirkung. Ich musste zum Gespr\u00e4ch und ab diesem Zeitpunkt war vieles besser. Mein Vertrauen blieb aber weg und auch die Alptr\u00e4ume suchten mich noch lange heim. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 5. Juli 2021 durften wir nach 170 Tagen Intensivstation endlich auf die normale Station wechseln. Wir bekamen sogar ein Einzelzimmer und durften auch bei Emma \u00fcbernachten. Wir wurden in allem geschult. Essen geben \u00fcber die Magensonde, Medikamente aufziehen und geben, Sauerstoffregelung. Wir mussten einen REHA-Kurs machen, wo wir lernten, wie wir unsere Tochter wiederbeleben k\u00f6nnen. Die t\u00e4gliche Trach-Pflege (Band und Tupfer wechseln und den Hals und die Einstichstelle reinigen) und auch den Kan\u00fclen-Wechsel mussten wir selber lernen. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. Juli 2021, nach 6 Monaten und 9 Tagen, durften wir dann unsere kleine Emma mit einem Gewicht von 4 Kg nach Hause nehmen. Bis wir mit allen Ger\u00e4ten und Emma das Krankenhaus verlassen hatten, glaubte ich nicht, dass es wirklich passieren w\u00fcrde. Wir gehen mit Emma nach Hause! Wie lange hatten wir auf diesen Moment gewartet..<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile sind wir Zuhause angekommen und haben uns eingelebt. 5 N\u00e4chte in der Woche bekommen wir Hilfe von der Kinderspitex, sodass wir schlafen k\u00f6nnen. Anfangs war das f\u00fcr mich eine grosse Herausforderung. Nur ein kleiner Infekt und Emma w\u00e4re wieder im Spital, mein gr\u00f6sster Alptraum. Doch jetzt bl\u00fcht Emma richtig auf, sie lacht viel, ist gl\u00fccklich und macht grosse Fortschritte. Klar, wir haben noch unsere Baustellen und unsere Spitalzeit ist bestimmt noch nicht zu Ende. Aber wir sind unendlich dankbar, unser kleines Wunder endlich bei uns zu haben. Endlich kann ich wieder schlafen.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210811_162244.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-734\" width=\"267\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210811_162244.jpg 768w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210811_162244-225x300.jpg 225w, https:\/\/babs.zovi.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210811_162244-655x873.jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Job als Betriebsleiterin von zwei Bergrestaurants erf\u00fcllte mich sehr. Ich liebte es, Verantwortung zu tragen und selber entscheiden zu d\u00fcrfen. Im Winter 19\/20 lernte ich auf dem Berg meinen jetzigen Lebenspartner kennen. 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