{"id":745,"date":"2023-01-04T14:31:47","date_gmt":"2023-01-04T14:31:47","guid":{"rendered":"https:\/\/babs.zovi.ch\/?p=745"},"modified":"2023-04-01T07:13:58","modified_gmt":"2023-04-01T07:13:58","slug":"mein-leben-als-medical-mom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/babs.zovi.ch\/?p=745","title":{"rendered":"Mein Leben als Medical Mom"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Zeit verrinnt wie im Flug, in wenigen Tagen wird Emma bereits zwei Jahre alt. Was soll ich sagen? Sie ist unglaublich s\u00fcss und ich w\u00fcrde sie unter keinen Umst\u00e4nden je wieder hergeben. Aber trotzdem gibt es da diese Momente, wo ich mir sehnlichst meine Freiheit, meine Freunde, meine Arbeit zur\u00fcck ersehne. Das Leben als Mutter ist nicht immer einfach, da k\u00f6nnen mich wohl fast alle M\u00fctter best\u00e4rken. Das Leben als Mutter von einem Kind mit Extra ist manchmal furchtbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Seit Emma bei uns zuhause sein darf, hat sich mein Leben komplett ver\u00e4ndert. Anfangs war ich sehr konzentriert und eigentlich immer wie auf Nadeln. Ich wollte nichts falsch machen und unter allen Umst\u00e4nden verhindern, dass wir nur nach kurzer Zeit wieder station\u00e4r gehen m\u00fcssen. Bei unserem Austrittstag im Krankenhaus hat mir n\u00e4mlich eine Krankenpflegerin gesagt, dass meistens alle, welche so lange im Krankenhaus waren, kurz nach dem Austritt nochmal f\u00fcr ein paar Wochen station\u00e4r kommen w\u00fcrden. Ich wollte, dass wir die Ausnahme sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch meine Verbissenheit Emma vom Spital fern zu halten, hatte ich nicht wirklich viel Zeit, mir \u00fcber andere Dinge Gedanken zu machen. Erst als der Winter 21\/22 einbrach und meine ehemaligen Arbeitskollegen sich auf einen guten Winter vorbereiteten, merkte ich, wie einsam und gelangweilt ich eigentlich war. Langsam machte sich bei mir eine Art Depression breit. Ich wollte unbedingt wieder arbeiten, Menschen sehen, irgendwo dazugeh\u00f6ren. Als Roger gegen Fr\u00fchling auch noch anfing, Tags und Nachts zu arbeiten und ich ihn meistens nur \u00fcber den Mittag kurz eine knappe Stunde sah, wurde es noch schlimmer. Ich f\u00fchlte mich furchtbar gefangen in meiner Situation. Emma ben\u00f6tigte zu diesem Zeitpunkt immer noch Sauerstoff, zweimal die Woche musste ich mit ihr in Therapie und weit und breit war kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Sommersaison 2022 durfte ich wieder das Bergrestaurant Horneggli leiten. Da im Sommer nicht so viel l\u00e4uft wie im Winter war das f\u00fcr mich gut machbar. Allerdings merkte ich schnell, dass ich Emma nicht einfach mitnehmen konnte, da sie auf dem Berg immer noch Sauerstoff ben\u00f6tigte (ja, die H\u00f6he macht da tats\u00e4chlich etwas aus) und Emma sofort anfing zu weinen , sobald sie mich nicht mehr sah. Also musste ich meine Schwiegermutter jeweils auch mitnehmen, sodass sie Emma bespassen konnte, w\u00e4hrend ich arbeitete. Im Notfall konnte ich dann reagieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 2022 fing sich Emma dann pl\u00f6tzlich einen Virus ein. Eines Morgens wachte sie auf und konnte nicht mehr aufh\u00f6ren zu husten. Unsere Ger\u00e4te gaben das Maximum an m\u00f6glichem Sauerstoff her und trotzdem war es nicht genug. Wir mussten ins Krankenhaus. Nach 5 Tagen wollten die \u00c4rzte uns ein weiteres Kind mit einem anderen Virus ins Zimmer bringen. Ich intervenierte so lange, bis wir entlassen wurden. Emma war ganze 3 Wochen krank und ich blieb mit ihr Zuhause. <\/p>\n\n\n\n<p>Im November 2022 bekam Emma dann pl\u00f6tzlich wieder diesen fiesen Husten und der Sauerstoff kletterte wieder in die H\u00f6he. Da wir nicht genug Sauerstoff geben konnten, mussten wir mit der Ambulanz nach Bern fahren. Es best\u00e4tigte sich unser Verdacht. RSV. Dieser gef\u00fcrchtete Virus, der vor allem Babys und Kleinkindern mit einer schlechten Lunge zusetzt. Wir hatten Gl\u00fcck, da das Krankenhaus bereits sehr voll mit Kindern war und wir die Ausr\u00fcstung hatten und noch organisieren konnten, durften wir mit Emma wieder nach Hause. Ohne Pflegedienst w\u00e4re das allerdings nicht gegangen. Emma war 2 Wochen lang ziemlich krank und es gab viele Tage, wo wir nicht wussten, ob wir nicht doch wieder nach Bern m\u00fcssen, da wir Emma einfach nicht gen\u00fcgend helfen konnten. Als es dann endlich besser wurde, bekamen wir alle noch eine fiese Magen-Darm-Grippe. Wenn man selber krank ist und sich um ein Kind k\u00fcmmern muss, dann ist das schon echt fies. <\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten und Neujahr sind bereits vergangen. Was ich mir f\u00fcrs 2023 vorgenommen habe? Zu \u00fcberleben. <\/p>\n\n\n\n<p>In letzter Zeit habe ich es oft erlebt, dass die Menschen nicht wirklich wissen, wie man mit einem Kind mit Extra umgeht. Wir werden oft mit mitleidigem Blick angestarrt. Neulich waren wir an einer Hochzeit mit Emma und w\u00e4hrend der Zeremonie mussten wir mehrere Mal absaugen. Ich sp\u00fcrte bereits den Atem der Damen hinter uns, weil sie sehen wollten, was wir hier machen. Sie diskutierten laut dar\u00fcber, sodass es f\u00fcr uns nicht un\u00fcberh\u00f6rbar war. Als ich mich genervt umdrehte, bekamen wir falsches Mitleid. Neulich bemerkte eine \u00e4ltere Dame: &#8222;Ach was f\u00fcr ein s\u00fcsseeeees&#8230;. Kiiiind&#8230;..&#8220; und fasste sich w\u00e4hrend sie die Worte sprach ganz entsetzt an den Hals. Auf dem Spielplatz werde ich meistens von den M\u00fcttern ignoriert. Entweder wissen sie nicht was sie sagen sollen oder es kommt ein Kommentar wie: &#8222;Na, wenigstens ist sie im Kopf ganz richtig.&#8220; Oder &#8222;es h\u00e4tte ja auch noch schlimmer kommen k\u00f6nnen&#8220;. Neulich w\u00fcnschte uns eine Dame, dass dieses Loch im Hals bald wie von alleine zuwachsen w\u00fcrde. Ehm, nein, bitte nicht! Das Loch ist ja nicht das Problem. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Menschen, die nicht verstehen k\u00f6nnen, warum ich wieder arbeiten m\u00f6chte. Ja, ich gebe es ganz offen zu. W\u00e4re Emma gesund, w\u00fcrde sie bereits seit mindestens einem Jahr wenigstens einen Tag die Woche in eine Kita gehen. Einen weiteren Tag w\u00e4re sie dann noch bei der Grossmutter. Aber leider ist Emma nicht gesund. Ich kann sie niemandem abgeben, nicht einmal f\u00fcr 5 Minuten. Ich bin auf den Pflegedienst und Roger angewiesen. Helfen die nicht mit, habe ich keine Minute f\u00fcr mich. Dieser Zustand ist sehr schwierig f\u00fcr mich. Ich sitze die meiste Zeit zuhause, starre auf irgend einen Bildschirm und w\u00fcnsche mir ein besseres, freieres Leben. Und ja, ich weiss, dass das irgendwann wieder kommen wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf Ende April 2023 ist nun endlich eine grosse OP geplant. Mit einem k\u00f6rpereigenen Knorpelst\u00fcckchen wird Emmas Luftr\u00f6hre erweitert und das Gewebe, welches ihr das Atmen verunm\u00f6glicht hat wird aufgeschnitten und mit einem Platzhalter auseinander gehalten. Dieser Platzhalter m\u00fcssen wir dann einige Monate sp\u00e4ter entfernen lassen. Dann kann uns endlich gesagt werden, ob die Erweiterung der Luftr\u00f6hre erfolgreich war oder nochmal operiert werden muss. Wir hoffen sehr, dass alles auf anhieb klappt und vielleicht sogar schon Ende dieses Jahres die Kan\u00fcle entfernt werden kann. Nur wenn ich daran denke, vielleicht bald mal Emma&#8217;s Stimme zu h\u00f6ren, schiessen mir die Tr\u00e4nen in die Augen. Wie lange warte ich nun schon auf diesen Moment.. <\/p>\n\n\n\n<p>Endlich ist da ein Licht am Ende des Tunnels. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit verrinnt wie im Flug, in wenigen Tagen wird Emma bereits zwei Jahre alt. Was soll ich sagen? Sie ist unglaublich s\u00fcss und ich w\u00fcrde sie unter keinen Umst\u00e4nden je wieder hergeben. Aber trotzdem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":749,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-745","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=745"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":754,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/745\/revisions\/754"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/babs.zovi.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}