Nordkalottleden 2015 – 3. Etappe

Abisko – Ritsem

 

31. Juli 2015 – 22. Tag

Um 9.00 Uhr habe ich bereits ausgecheckt und bin wieder startklar. Ich freue mich riesig, ich vermisse die Natur und die Einsamkeit..

Der Pfad ist sehr breit ausgetreten. Der Nordkalottleden verläuft nun 4 Tage lang parallel zum Kungsleden. Und da der Kungsleden ziemlich populär ist, treffe ich enorm viele Wanderer. Es ist sogar ausgeschildert, wo ein Meditationsplatz sein soll, was mich eher den Kopf schütteln lässt..

3. Etappe

In der Abiskojaure will ich nicht übernachten, da es ziemlich teuer ist und auch der Hüttenwart ist mir nicht besonders sympatisch. Also laufe ich noch etwas weiter und stelle mein Zelt schliesslich bei einem breiten Fluss auf. Aber auch hier dauert es nicht lange, bis noch zwei weitere Zelte stehen. Es hat mir definitv zu viele Leute und ich vermisse die Einsamkeit der letzten Tage auf dem Nordkalottleden.

Meine neuen Wanderschuhe haben sich bis jetzt gut bewährt. Ich habe tatsächlich keine einzige Blase bekommen, was bei mir mit neuen Schuhen normalerweise immer der Fall ist. Vielleicht sind meine Füsse ja bereits etwas abgehärtet.

 

01. August 2015 – 23. Tag

Happy Birthday Schweiz!! Meine Freunde werden bestimmt den alljährlichen 1.-August-Brunch veranstalten und den ganzen Tag nicht anderes tun, als Feuerwerkskörper zu zünden. Der Tag, an dem wir, egal wie alt, zu Kindern werden! Ich vermisse sie..

Heute wandere ich etwas über 20 Km. Die Landschaft wäre wunderschön, aber das Wetter hat wieder etwas abgekühlt und dazu geht ein zügiger Wind. Sobald ich nicht in Bewegung bin, friere ich. In der Alesjaure beschliesse ich, mir ein Zimmer zu nehmen. Schliesslich habe ich mit heute schon ganze 400 Km meiner Wanderung geschafft!

3. Etappe

Ich teile das Zimmer mit 3 Frauen aus Deutschland. Wir verbringen einen lustigen Abend zusammen. Plötzlich spricht mich jemand auf Schweizerdeutsch an. Wow, cool, ein Schweizer!! Doch meine Euphorie verschwindet bald. Er ist ein paar Jahre älter als ich und kann nicht aufhören zu jammern.. „Es ist so kalt und wenn ich gewusst hätte.. wäre ich niemals in den Norden gekommen“, bla, bla, bla.. Eigentlich will ich das gar nicht hören und bald schon geht er mir gehörig auf die Nerven. Ich bin froh, als er sich verabschiedet, um die Sauna zu nutzen.

 

02. August 2015 – 24. Tag

Heute bin ich nicht besonders fit und nach nur 14 Km beschliesse ich, in der Tjäkta-Hütte zu übernachten. Es regnet wieder und ist ziemlich kalt. In dieser Hütte gibt es nur Massenlager und bald schon bereue ich, dass ich nicht trotz des Wetters im Zelt übernachte. Ich kann kaum schlafen. Ich habe Heimweh und ich fühle mich, trotz der vielen Menschen hier, ziemlich einsam. Ich vermisse meine Liebsten..

3. Etappe

 

03. August 2015 – 25. Tag

Schon sehr früh ist nicht mehr an Schlaf zu denken. Ein Wanderer, welcher bereits kurz nach 6.00 Uhr aufsteht, hat wohl all seine Sachen in Plastiksäcke verstaut. Er packt sein Rucksack in aller Ruhe und mit grösst möglicher Lautstärke. Vielen Dank auch! Nachdem er endlich weg ist, stehen die nächsten auf, welche noch viel weniger daran denken, dass es vielleicht noch Leute gibt, die schlafen möchten. Ich versuche noch etwas weiterzudösen, was mir nicht wirklich gelingt.

Bald schon bin ich die Letzte und ich kann in aller Ruhe meine Sachen packen. Auch heute wandere ich nur ca. 12 Km und kurz nach Mittag bin ich bereits bei der Sälka Hütte. Diesmal werde ich im Zelt übernachten, darf aber gegen ein kleines Entgeld in einer Hütte kochen und mich aufhalten.

Ich freue mich, morgen geht es endlich wieder auf dem Nordkalottleden weiter, welcher hoffentlich nicht so überrannt sein wird. Auf dem Kungsleden macht man nämlich nichts anderes, als dauernd jemanden zu überholen oder überholt zu werden. Man ist nie alleine.

Das Wetter ist immer noch nicht besser, es ist kalt und regnet andauernd. Wenigstens kann ich heute hoffentlich etwas ruhiger schlafen.

 

04. August 2015 – 26. Tag

Die Sonne weckt mich! Wow, strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen und fast keine Mücken aufgrund des sanften Windes. Perfektes Wetter! Fröhlich packe ich meine Ausrüstung zusammen und mache mich auf den Weg. Noch ca. 4 Km auf dem Kungsleden bis mich ein Schild wieder auf meinen geliebten Nordkalottleden weist. Endlich! Kaum bin ich nicht mehr auf dem Kungsleden unterwegs, begegne ich fast niemandem mehr. Der Pfad ist auch wieder etwas schlechter markiert und so laufe ich erstmal der Wintermarkierung nach, welche nicht zu übersehen ist. Irgendwann finde ich dann plötzlich doch noch die Sommermarkierung.

Als ich ein nicht all zu breiter Fluss überqueren soll, bin ich wohl etwas übermütig. Anstatt meine Trekkinghose auszuziehen und nur in Unterwäsche den Fluss zu überqueren, rolle ich sie nur bis zu den Knien hoch. Wird schon passen. Doch der Fluss ist tiefer als gedacht und plötzlich stehe ich bis über den Knien im Wasser. Ich muss lachen, das ist typisch ich. Da denke ich, ich wäre nun auf alles abgehärtet und nun passiert mir sowas. Da aber die Sonne scheint stören mich die nassen Hosen gar nicht besonders. Die trocknen ja wieder.

3. Etappe

Die Landschaft ist wunderschön und ich begegne heute nur noch 3 Herren, welche mir entgegenkommen. Wir plaudern kurz und verabschieden uns rasch wieder.

Ich finde einen tollen Platz zum zelten und versuche, meine T-Shirts zu waschen. Es ist bitternötig!

In der Nacht beginnt es plötzlich ziemlich stark zu winden. Da ich mein Zelt irgendwie nicht richtig gestrafft hatte, kann ich kaum schlafen. Also stehe ich halt mitten in der Nacht auf, um mein Zelt etwas besser zu befestigen. Wow, was für eine wunderschöne Nacht. Auf der einen Seite ist der Mond zu sehen und der Sternenhimmel leuchtet. Und auf der anderen Seite geht wohl gerade die Sonne auf. Wow, echt schön! Da es aber immer noch mitten in der Nacht ist, krieche ich bald wieder in meinen Schlafsack und versuche noch etwas zu schlafen.

 

05. August 2015 – 27. Tag

Der Wind hat sich immer noch nicht gelegt, was aber zum Wandern gar nicht so schlimm ist. Ich wandere heute den ganzen Tag in einer wunderschönen, einsamen Gegend. Ich komme gar nicht mehr aus dem Staunen raus und andauernd muss ich ein Foto schiessen.

3. Etappe

Bereits kurz nach 14.00 Uhr komme ich bei der Gautelishytta an. Ich bin nun wieder auf Norwegischem Boden und die Hütten sind nicht mehr, wie es in Schweden der Fall ist, bewirtet. Ich habe mir in Abisko einen DNT-Schlüssel für die Norwegischen Hütten besorgt und nun bin ich ziemlich froh darüber. Meine Füsse schmerzen und ich freue mich auf ein richtiges Bett und ein Dach über dem Kopf.

Mir gefallen diese kleinen Hütten, wenn ich mal etwas Geld übrig habe, werde ich mir wohl irgend so etwas in dieser Art bauen.

Trotz des Schlafmangels von letzter Nacht, schlafe ich ziemlich schlecht. Ich träume vom Tod eines geliebten Menschen und zittere am ganzen Körper als ich schweissgebadet aufwache.. Was für ein furchtbarer Traum. In letzer Zeit träume ich sowieso sehr oft sehr intensiv. Vielleicht weil ich einfach zu viel schlafe?

 

06. August 2015 – 28. Tag

Ich schlafe aus und laufe erst kurz vor Mittag los. Mein Alptraum von letzter Nacht lässt mich immer noch nicht los und so bin ich den ganzen Tag tief in Gedanken versunken. Der Weg ist streng und ich begegne keiner Menschenseele. Genau so mag ich es!

Als ich dem Gautelissee den Rücken kehre und der Pfad langsam bergauf führt, wandere ich plötzlich mitten in einer Wolke. Es ist totenstill und durch den Nebel sind nur etwa die nächsten 10 Meter erkennbar. Es ist irgendwie gespenstisch aber eine wunderbare Erfahrung. Es ist wie in einem Traum.. Auch sonst ist die Landschaft wunderschön, trotz vieler Schnee- und Geröllfelder.

3. Etappe

Plötzlich taucht im Nebel die Skoaddejávre Hütte auf. Sie liegt an einem See, der noch fast komplett zugefrohren ist. Wir haben August! Auch heute werde ich wieder in der Hütte übernachten. Es ist doch viel bequemer in einem richtigen Bett.

Skoaddejavrihytta
Skoaddejavrehytta

Es ist immer eine riesen Überraschung, wenn ich in den Küchenschränke der Hütten etwas zu essen finde. Es ist oft so, dass die Wanderer zu viel dabei haben und das übrige Essen deponieren. Wenn ich etwas finde, was ich gerne mag, tausche ich oft mit meinem Essen. Irgendwie will man doch immer das, was man gerade nicht dabei hat. Auch heute finde ich eine Packung Kartoffelstock, was ich doch nur zu gerne mit meinem Reis tausche.

 

07. August 2015 – 29. Tag

In meinem Reiseführer steht, dass ich heute eine ziemlich langweilige Strecke vor mir habe. Ich muss nämlich ca. 15 Km auf einer Strasse wandern.. Oje..

Nach einem eiligen Frühstück gehe ich los. Nach einer kurzen Zeit komme ich zu einem ziemlich steilen Abhang, welchen ich nun hinunter muss. Wenn das nur gutgeht.. es sieht ziemlich steil aus. Doch bald merke ich, dass die Markierung des Pfades ziemlich gut ist und mich immer wieder gekonnt an den steilsten Stellen vorbei führt. Ein paar Mal muss ich zwar die Hände zu Hilfe nehmen und auch meine Trekkingstöcke sind heute unablässlich, doch bald schon stehe ich unten.

3. Etappe

Nun führt der Pfad weiter auf einer Kieselstrasse. Ich stapfe also los. Die Landschaft wäre zwar wunderschön, aber schon bald schmerzen meine Füsse und ich langweile mich. Auch wenn ich schon oft über die mühsamen Pfade geflucht habe, alles ist besser, als auf einer Strasse zu wandern.

Doch ich habe Glück. Plötzlich höre ich Motorenlärm und ein Auto überholt mich. Noch bevor ich überhaupt den Daumen raus halten kann, hält es an. Ein nettes, älteres Paar fragt, ob sie mich mitnehmen sollen? Natürlich!!! Im Auto versuche ich, so wenig wie möglich zu berühren. Das erste Mal komme ich mir so richtig schmutzig und stinkig vor. Naja, nichts zu machen. Bald sind die 15 Km um und ein Fahrverbot sperrt die Strasse. Weiter darf man mit den Autos nicht. Der Mann hilft mir, meinen Rucksack aus dem Kofferraum zu heben und ist erstaunt über das Gewicht. Hast du nie Rückenschmerzen? Natürlich, aber irgendwie habe ich mich an das Gewicht gewöhnt..

Weiter geht es noch ein paar Kilometer auf der Kieselstrasse bis ich zur Sitas-Hütte komme. Da ich heute nicht besonders viel gewandert bin, habe ich nun jede Menge Zeit.

Ich versuche, meine Haare zu waschen und auch mein T-Shirt und ein paar Socken wasche ich. Da die Sonne scheint, wird alles ziemlich schnell trocknen.

Als ich merke, was heute für ein Tag ist, bin ich erstaunt. Genau vor einem Monat hat mein Abenteuer begonnen. Krass, wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe so viel gesehen und erlebt in diesem Monat. Ich weiss noch genau, wie gross meine Angst vor dem ersten Sumpf war, ich versuchte, meine Schuhe nicht schmutzig zu machen. Und heute latsche ich ohne nachzudenken einfach mal drauflos. Schlimmer als damals, als ich bis über den Knien im Sumpf war, kanns ja kaum werden. Ich erinnere mich an Josef, das deutsche Päärchen und der norwegische Vater mit seinen beiden Kindern. Es kommt mir vor als wäre es erst gestern gewesen, dass wir uns getroffen haben, und gleichzeitig schon ein halbes Leben. Hier ist alles irgendwie so Zeitlos. Wenn ich heute am schönsten Ort der Erde sitze, werde ich morgen noch an einem schöneren Ort sein. Die Zeit vergeht wie im Flug und gleichzeitig bleibt sie stehen. Es interessiert hier nicht, wie du aussiehst, ob du zu dick bist oder ob deine Kleider zu den Schuhen passen. Es ist egal, wenn ich stinke oder meine Haare nicht gewaschen sind. Hier ist es wichtig, ob die Schuhe gut sind, wie das Wetter ist und dass ich keinen Fehltritt mache.

Ich bin glücklich hier, endlich bin ich frei, weit weg von den ganzen Zwängen, welche immer wieder von der Gesellschaft auferlegt werden.

Das Leben ist schön.

3. Etappe

 

08. August 2015 – 30. Tag

Heute ist es unglaublich streng. Der Pfad wechselt sich ab mit ziemlich steil bergauf und dann wieder ziemlich steil bergab. Ich schwitze und keuche die ganze Zeit. Einmal muss ich steil bergauf, über ein Schneefeld, welches fast überhängend ist. Jeden Schritt muss ich in den Schnee reinstapfen, damit ich etwas Halt habe. Sollte ich hier das Gleichgewicht verlieren, werde ich ziemlich tief fallen.

Die Landschaft ist wunderschön und entschädigt mich für die Strapazen des Tages.

3. Etappe

Endlich bei der Hütte angekommen, bin ich fix und fertig. Es ist bereits ein älterer Herr dort, welcher mir Schokolade anbietet. Wow, himmlisch, Danke! Bald stapft noch ein weiterer Wanderer rein. Volker ist aus Deutschland und macht eine Rundwanderung von Ristem aus, wo er seinen Camper hat. Wir plaudern ziemlich lange über mögliche Routen und Gott und die Welt. Volker will heute noch etwas weiter und verabschiedet sich bald. Auch er wandert in die selbe Richtung wie ich, also werden wir uns vielleicht wieder sehen.

Schon früh gehe ich schlafen, ich bin müde. Ich träume wieder sehr intensiv, diesmal von meinem Ex-Freund. Er lächelt mich an und umarmt mich, verzeiht mir meine Fehler. Ein schöner Traum, welcher mich noch lange begleiten wird.

 

09. August 2015 – 31. Tag

Schon früh verabschiede ich mich vom älteren Herr und laufe weiter. Doch schon nach kurzer Zeit endet der Weg. Weiter geht es etwa 20 Meter in einem Ruderboot übers Wasser. Ich möchte hier erwähnen, dass ich noch nie mit einem Ruderboot unterwegs war. Ich verstaue meinen Rucksack im Boot und ziehe mir sicherheitshalber meine Sandalen an. Wer weiss, vielleicht muss ich ja ins Wasser hüpfen. Die erste Überfahrt geht ohne Probleme, die Strömung hilft mir, schnell ans andere Ufer zu kommen. Ich lade meinen Rucksack aus. Nun gilt es, mit dem zweiten Boot im Schlepptau wieder zurück zu rudern, damit auch der nächste Wanderer an jedem Ufer ein Boot vorfindet.

Da die erste Überfahrt so einfach war, werde ich leichtsinnig und stosse mich vom Ufer ab, ehe ich wirklich bereit bin zu paddeln. Die Ströhmung zieht mich sofort in den See raus. Scheisse, scheisse, scheisse. Ich beginne zu rudern, doch da ich nicht besonders geübt darin bin und die Ruder immer wieder aus der Halterung springen, bewege ich mich erstmal überhaupt nicht vom Fleck. Das zweite Boot zerrt mich zudem immer weiter in den See hinaus. Verdammt! Panik überkommt mich und ich muss mir laut zureden. Erst als ich mich etwas beruhigt habe, gelingt es mir, langsam wieder ans richtige Ufer zu kommen. Meine Arme schmerzen und kurz vor dem Ufer springt das eine Ruder wieder aus der Halterung und ich werde erneut in den See getrieben. Also das ganze Spiel nochmal von vorne. Nach gut einer Stunde habe ich es endlich geschafft, ich bin mit beiden Booten nun auf der einen Seite. Nun muss ich mit meinem Boot nochmal übersetzen, was ziemlich einfach ist, da ich wieder die Strömung auf meiner Seite habe und zudem kein zweites Boot, welches mich auf den See raustreibt.

Ich zittere am ganzen Körper vor Erleichterung als ich endlich am richtigen Ufer bin. Hätte es keine Eisschollen im See gehabt, wäre ich wohl einfach geschwommen und hätte das zweite Boot rübergezogen.

3. Etappe

Ich bin froh, wieder wandern zu können, diese Ruderei hätte jetzt echt nicht sein müssen! Aber ich weiss, dass hier früher eine Brücke war, welche jedes Jahr von den Wassermassen der Schneeschmelze weggerissen wurde.

Bald komme ich zu einem breiten Fluss, den es zu überqueren gilt. Hier ist gottseidank eine Brücke, welche man zum Überqueren benutzen kann.

3. Etappe

Eine wacklige Angelegenheit. Zudem hat sich der Fluss wohl etwas ausgebreitet, den die Brücke endet noch im Fluss. Aber egal, ich will nicht jammern. Besser eine Brücke als keine.

Andauernd verliere ich heute den Pfad, die Markierung ist irgendwie kaum zu sehen. Da ich weiss, dass ich laut Karte richtig unterwegs bin, stört mich das aber nicht so besonders.

Unterwegs treffe ich noch ein Paar aus Frankreich. Die Frau begrüsst mich schon von Weitem: „Ooooh, endlich eine Frau!! Schön dich zu sehen!“ Ich muss lachen, ja stimmt, Frauen habe ich tatsächlich bisher sehr selten angetroffen. Und wenn, waren sie immer in Begleitung eines Mannes. Die Leute sind mir auf Anhieb sehr sympatisch. Da sie etwas langsamer unterwegs sind, vereinbaren wir, uns heute abend bei der Roysvatn-Hütte zu treffen.

Bei der Hütte, treffe ich zu meinem Erstaunen Volker, welcher gerade dabei ist, die Sauna (ja, hier gibts tatsächlich ein Sauna-Häuschen) aufzuheizen. Er hat sich bereits in der kleineren Hütte breit gemacht und so schliesse ich die grössere Wanderhütte auf. Auch ich versuche mich in der Saune etwas zu waschen. Ah, welche Wohltat, warmes Wasser!

Volker zeigt mir einen möglichen Pfad, welchen ich bis Ritsem nehmen könnte. So würde ich einen Tag sparen. Ich möchte nämlich am 12. August unbedingt in der Zivilisation sein da meine Mutter Geburtstag hat und ich ihr gratulieren möchte. Bald schon kommt auch noch das französiche Paar und wir plaudern und lachen bis nach Mitternacht.

 

10. August 2015 – 32. Tag

Nach einem gemütlichen Frühstück verabschiede ich mich von meinen neuen Freunden. Volker und ich werden uns wohl noch in Ritsem sehen, auf jeden Fall will er dort im Wanderzentrum kurz vorbeischauen, sobald er da ist. Die Franzosen bleiben noch einen Tag länger in der Roysvatn Hütte und Volker will noch einen Ausflug zu einem nahen Gletscher machen.

Zum ersten Mal seit Tagen komme ich wieder unter die Baumgrenze und merke bald, wie schön (fast) Mückenfrei es doch in den Bergen war. Bald schon suche ich nach meinem Mückennetz, welches ich schon lange nicht mehr benutzt hatte.

Bei einem Windschutz schlage ich seit Langem wieder mal mein Zelt auf. Mein Essen wird langsam knapp und im Zelt träume ich von all den Leckereien, welche ich mir in Ritsem kaufen will. Vor dem Einschlafen denke ich nochmal über die Französin nach.. Sie ist Mutter von fünf Kindern und hat mir davon erzählt, wie furchtbar unglücklich sie in ihrem Job zuhause ist. Und doch hat diese Frau eine Herzlichkeit und Wärme ausgestrahlt, wie ich es noch selten gesehen habe. Ich hoffe, dass ich auch mal so sein werde.

3. Etappe

 

11. August 2015 – 33. Tag

Der Tag hat mit strahlendem Sonnenschein begonnen. Der Pfad ist streng, allerdings habe ich eine unglaublich schöne Aussicht.

3. Etappe

Bald schon ziehen aber Wolken auf ein ein stürmischer Wind bläst. Ich weiss, dass Volker das letzte Wegstück mit seinem Kajak, welches er am Ende des Sees versteckt hatte, zurück nach Ritsem paddeln will und ich hoffe sehr, dass er das nicht heute tun wird. Bei jeder Böe muss ich mich mit meinen Wanderstöcken dagegen stemmen. Bei einem Windschutz (Ein Dach und drei Wände) stelle ich mein Zelt so gut es geht im Windschatten auf. Allerdings befürchte ich schon jetzt, dass ich wohl eher eine unruhige Nacht vor mir habe.

Ich koche mir meine letzte Suppe und träume einmal mehr vom Essen.

Ich hatte heute Morgen ein Flugzeug gehört, und bin bei diesem Geräusch richtig zusammengezuckt. Ich bin es überhaupt nicht mehr gewohnt, irgendwelche motorisierten Geräusche zu hören. Zum ersten Mal fürchte ich mich vor dem Gedanken, in zwei Monaten wieder zurück in der Schweiz zu sein und mitten im Alltag gefangen zu sein. Ich kann unmöglich ins Büro zurück.. den ganzen Tag sitzend in einen Bildschirm starren und irgendwelche Zahlen hin und her buchen? Nein, auf keinen Fall!! Doch schlussendlich muss ich wohl, aber ich verdränge diesen Gedanken rasch wieder. Jetzt bin ich hier und das will ich mir nicht verderben lassen.

 

12. August 2015 – 34. Tag

Ich wache auf weil ich friere. Es ist arschkalt und ich mag gar nicht aufstehen. Doch der Gedanke an Schokolade und Yoghurt treibt mich voran. Nach einem raschen Frühstück (meine Hände sind ganz klamm von der Kälte) breche ich rasch auf. Sobald ich Bewegung habe, schwitze ich schon wieder und die Kälte ist schon fast wieder vergessen.

Unterwegs treffe ich auf Helge, er ist gerade eben in Ritsem gestartet. Wir plaudern etwas und ich erzähle ihm, wie sehr ich mich darauf freue, Schokolade, Milch und Früchte zu essen. Er meint, dass ich etwa in einer Stunde dort sein würde, was mich natürlich ziemlich aufheitert! Bald schon verabschieden wir uns und ich renne schon fast den Berg hinunter.

Endlich in Ritsem nehme ich mir ein Zimmer, kaufe meine Leckereien und nach einer ausgiebigen Dusche rufe ich meine Mam an. Happy birthday, alles Liebe zum 50. Geburtstag!

 

13. August 2015 – 35. Tag

Nach einem gemütlichen Frühstück und literweise Kaffee, habe ich meine Vorräte für die nächste Etappe eingekauft. Ritsem wird das ganze Jahr über von nur 3 Personen bewohnt, dementsprechend kann man dort auch überhaupt nichts tun. Der „Laden“ besteht aus einer kleinen Ecke im Wanderzentrum selbst, welche mit den nötigsten Lebensmittel ausgestattet ist. Dadurch, dass die Auswahl nicht gerade riesig ist, habe ich ziemlich schnell alles zusammen.

Ich kaufe mir ein Eis und will mich gerade an einen Tisch im Gemeinschaftsraum setzen, als ich Volker sehe. Bei Kaffee, Kuchen und Eis, plaudern wir nochmal über die letzten Tage. Er ist tatsächlich im grössten Sturm über den grossen See bei Ritsem gefahren, muss aber selbst zugeben, dass es wohl etwas gefährlich war. Erst gegen Mitternacht ist er schlussendlich sicher aber völlig durchfrohren und klitschnass im Hafen angekommen.

Morgen werde ich mit der Fähre über den See fahren und die letzte Etappe des Nordkalottledens in Angriff nehmen. Ich rechne damit, in 10 Tagen in Kvikkjokk zu sein. Somit bin ich also einen ganzen Monat früher fertig als ursprünglich gedacht. Ich habe mich entschieden, von Kvikkjokk aus nach Storlien zu fahren und von dort aus auf dem südlichen Kungsleden noch etwas zu wandern. Eigentlich wäre ich ja gerne auf dem nördlichen Kungsleden bis nach Hemavan gewandert, aber ich weiss, dass ich da nochmal eine grössere Strecke mit einem Ruderboot zurücklegen muss, was ich auf keinen Fall nochmal mache..

Auch Volker wird noch etwas im Padjelanta Nationalpark wandern, bevor er wieder zurück nach Deutschland fährt. Wir tauschen noch die Handynummer aus, falls wir etwa gleichzeitig in der Zivilisation sein werden, wird er mich mit seinem Camper noch ein Stück nach Süden mitnehmen.

One thought on “Nordkalottleden 2015 – 3. Etappe

  1. Dirk April 10, 2016 at 10:25 p.m.

    🙂

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