Sagres, Portugal

03.11.2016 – 08.11.2018, Sagres, Portugal

Geplant war ein kurzer Aufenthalt in Sagres, doch wie es halt so ist, sind Pläne dazu da, über den Haufen geworfen zu werden. Ziemlich genau zwei Jahre lang habe ich in Sagres gelebt und gearbeitet. Angefangen hat es damit, dass ich ein Angebot von einer Surfschule erhalten habe, bis über Neujahr als Volunteer im Camp zu arbeiten. D.h. Frühstück für die Gäste vorbereiten und ein bisschen putzen. Für meine Arbeit erhalte ich gratis Kost und Logie, Surfstunden und Surfequipment. Da ich unbedingt richtig Surfen lernen wollte, musste ich mir meine Antwort überhaupt nicht lange überlegen und ich zog schon bald ins Surfcamp ein. Da es Lowseason war, hatte ich auch überhaupt nicht viele Gäste und die Arbeit war in höchstens 2 Stunden erledigt. Jeden Tag machte ich mich nach der Arbeit auf ans Meer (2 Minuten zu Fuss) und immer und immer wieder übte ich, auf dem Surfboard zu stehen. Ich habe Stunden über Stunden damit verbracht zu fallen, wieder auf zu stehen, und übte einfach immer weiter.

Nach einiger Zeit lernte ich dann auch die Locals kennen, und bald schon war ich Teil einer Community, welche mir schnell ans Herz gewachsen ist. Fast täglich traf ich mich mit Freunden zum Kaffee, Surfen oder Essen und bald schon kannte man mich und auch ich konnte sofort erkennen wer hier wohnt, oder nur im Urlaub ist. Ich habe diese Menschen so gern bekommen, dass ich nur ungern ans Weggehen dachte.

Den ganzen Winter wohnte ich gratis im Surfcamp, im Frühjahr machte ich einige Renovationsarbeiten und ab April 2019 arbeitete ich in einem Restaurant/Bar „Three little birds“, wo ich auch ein kleines Gehalt kriegte. Ich suchte mir dann auch eine eigene Wohnung, kaufte mir ein kleines Auto und meldete mich in Portugal an, damit auch alles legal war.

Die Monate Juli und August waren hart, Sagres war föllig von Touristen eingenommen, nirgends konnte man mehr parkieren, die Strände waren überlaufen und auch in den drei Bars konnte man nur noch mit Mühe ein Bier bestellen. Die Arbeit im Restaurant war taff, jeden Abend kamen so viele Leute zum Essen, dass wir regelmässig vor Ende der Essenszeit keine Burgerbrötchen oder Fleisch mehr hatten. Die Touristen warteten manchmal über eine Stunde um einen Tisch zu bekommen und oft mussten wir Leute abweisen weils einfach keinen Platz und kein Essen mehr gab. Trotzdem habe ich in dieser Zeit so viele tolle Leute kennengelernt, dass ich sie auf keinen Fall missen will. Mitte August hat  sich dann bei mir eine dauerhafte Übermüdung eingestellt, zuwenig Schlaf, zuviel Sonne, Surfen und Party waren an der Tagesordnung und jeder freute sich auf den Herbst. Doch auch der September war streng und auch jetzt noch im Oktober gab es Tage, an welchen wir Abends kaum Luft holen konnten.

Gegen Ende September hatte ich einen kleinen Surf-Unfall, ich bin blöderweise kopfüber in knietiefes Wasser gesprungen – ich weiss, ich weiss..- was mir fast einen Monat Schmerzmittel, Schlafmittel, keine Arbeit und kein Surfen gebracht hat. Ich verbrachte diese Tage damit, in meinem Stamm-Kaffee Bridge zu spielen und literweise Kaffee zu trinken. Als ich endlich wieder arbeiten konnte, war die Saison fast zu Ende und es blieb nicht mehr viel als zurück zu schauen und diese furchtbaren, strengen Tage zu vermissen.

Zwischenzeitlich war ich wieder ins Surfcamp gezogen und arbeitete Doppelschichten, um wenigstens ein bisschen Kleingeld für den Winter zu sparen. Mitte November wird das Three Little Birds geschlossen und dann würde ich wieder kein Einkommen mehr haben. Da ich aber wieder im Surfcamp wohnen durfte, reduzierten sich meine Ausgaben aufs Nötigste.

Bald schon bekam ich in meiner Stamm-Bar das Angebot, über den Winter dort zu Arbeiten, welches ich natürlich nicht ablehnte, auch deshalb nicht, weil ich dann mit meinem heimlichen Schwarm arbeiten würde.

Der Winter war langweilig, abgesehen von der Altjahrswoche ist dort nichts gelaufen, was mir aber auch die Gelegenheit gab, mein Portugiesisch aufzubessern und Locals kennen zu lernen. Bald schon willigte ich ein, auch im Sommer dort zu arbeiten. Dass das ein grosser Fehler war, wurde mir erst viel später bewusst. Meine Arbeitszeiten im Dromedario waren immer von 18.00 Uhr bis zum Ende, d.h. ca. 03.00 Uhr. Da ich tagsüber unbedingt surfen wollte, stand ich meistens schon um 10.00 Uhr wieder auf, was mir bald eine dauerhafte Übermüdung einbrachte. Man schläft ja nicht direkt nach der Arbeit.. Weiter hatte ich keine Stellvertretung, bald schon hiess es für mich, 7 Tage die Woche arbeiten. Bald schon war ich total genervt und konnte nicht mehr. Ich habe mir dann selbstständig eine StV gesucht, nur damit ich Minimum einen Tag pro Woche frei machen konnte. In einer Bar in Sagres ist das ein Muss, denn wenn dort mal was läuft ist es der reinste Jungel. 😉

Im Herbst 2018 wurde mein Vater krank und ich reiste notfallmässig für eine Woche nach Hause. In dieser Woche erkannte ich, dass es schön ist, seine Familie um sich zu haben. Ich suchte mir bald schon einen Job nur für den Winter. Also war es bald schon Zeit, mein Zelt in Sagres abzubrechen und wieder zurück in die Schweiz zu gehen.

Mittlerweile bin ich seit mehr als einem Jahr wieder in der Schweiz, bin Betriebsleiterin von einem Restaurant und fühle mich wohl und endlich Zu Hause.

Ab und zu, allerdings, denke ich immer noch sehnsüchtig an diese wilde Zeit in Sagres zurück…

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