Storlien – Grövelsjön 2015

24. August 2015 – 46. Tag

Keine Sekunde habe ich geschlafen. In meinem Zimmer war es die ganze Nacht so heiss, dass ich mich nur unruhig und schwitzend im Bett drehte. Da ich aber sowieso den ganzen Tag im Bus verbringen werde, ist das ja nicht so schlimm.

Pünktlich um 05.20 Uhr kommt der Bus Richtung Jokkmokk. Trotz der Müdigkeit kann ich nicht schlafen. Ich bin beeindruckt vom System hier in Schweden. Der öffentliche Busverkehr ist auch der Postbote und Schulbus. Sogar als einige Kinder noch nicht an ihrer Haltestelle sind, wartet der Bus. Einmal muss der Chauffeur sogar die Eltern von einem Kind anrufen, weil es auch nach ein paar Minuten warten nicht auftauchte. Sowas wäre in der Schweiz undenkbar. Wenn man bei uns einen Bus verpasst, nimmt man einfach den nächsten. Allerdings gibts halt hier in Schweden nur diesen einen Bus..

Gegen 7.30 Uhr sind wir in Jokkmokk. Da mein Anschluss nach Östersund erst um 10.45 Uhr fährt, schlage ich mir die Zeit mit Kaffee und einem interessanten Gespräch mit Christoph, einem jungen Mann aus Berlin, tot. Er erinnert mich irgendwie ein bisschen an einen sehr guten Freund von mir und ist mir auf Anhieb sehr sympatisch. Doch bald schon trennen wir uns wieder, ohne Emailadressen oder Telefonnummern ausgetauscht zu haben, nicht einmal den Nachnamen weiss ich. Schade, ich werde ihn wohl nie wieder sehen.

Bald schon kann ich kaum noch sitzen, meine Füsse schmerzen und ich muss dringend auf die Toilette.. Hunger habe ich auch. Da es bereits Abend wird, beschliesse ich kurzerhand, in Stromsund, einem kleinen Dorf etwa 3 Stunden von Östersund entfernt, auszusteigen und erst morgen weiterzufahren. Ich will nicht mehr.

Ich nehme mir ein furchtbar schäbiges Zimmer und esse einen tollen Burger mit Salat. Endlich etwas zu Essen!

 

25. August 2015 – 47. Tag

Um 11.20 Uhr steige ich wieder in den Bus nach Östersund. Endlich dort angekommen, bin ich völlig überfordert von den vielen Menschen. Da meine Trekkinghose an den Nähten schon Löcher bekommt, kaufe ich mir die bekannte Fjällräven-Trekkinghose.

Anschliessend nehme ich den Zug nach Storlien. Ich bin froh, wieder aus der Stadt raus zu sein. Da der Supermarkt in Storlien aber schon geschlossen hat, nehme ich mir nochmal ein Zimmer.

Morgen gehts wieder weiter, endlich!

 

26. August 2015 – 48. Tag

Es regnet als ich aufwache und mein Knie schmerzt. Ich bin vor ein paar Tagen etwas unsanft auf dieses eine Knie gefallen und seither schmerzt es ziemlich heftig. Vor allem das „in-der-Wildniss-auf-die-Toilette-gehen-als-Frau“ ist ziemlich mühsam, da ich manchmal vor Schmerzen fast nicht mehr aufstehen kann. Zum ersten Mal überlege ich ernsthaft, aufzugeben und definitiv in die Zivilisation zurückzukehren. Nein, auf keinen Fall!

Ich beisse die Zähne zusammen und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Bald schon hört es auf zu regnen und ich kann mein Essen für die nächsten Tage problemlos beim Picknicktisch des Einkaufszenters einpacken.

Bis nach Storvallen, meinem heutigen Tagesziel ist es nicht sehr weit. Aber wie gut es tut an der frischen Luft zu sein und sich zu bewegen! Ich freue mich, dass ich mich für die Wanderung entschieden habe.

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27. August 2015 – 49. Tag

Als ich losmarschiere, regnet es zwar ein bisschen, da dass aber die Mücken vertreibt, stört mich das gar nicht. Ich singe leise vor mich hin und bin einfach glücklich. Das Leben ist schön!

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Der Pfad ist sehr einfach zu wandern, zwar immer etwas bergauf, aber nie wirklich sehr steil.

Bald bin ich bei der Blahammaren Bergstation, es gibt eine Reception, ein Kaffee und sogar WLAN. Da es aber schon sehr viele Leute hat, beschliesse ich, trotz des Wetters in meinem Zelt zu übernachten. Da habe ich wenigstens meine Ruhe.

 

28. August 2015 – 50. Tag

Ich werde vom Geräusch von ströhmenden Regen geweckt. Na toll! Erstmal bleibe ich solange es meine Blase zulässt liegen. Bei diesem Wetter will ich nicht weiterlaufen. Zusätzlich windet es auch noch ziemlich stark.. Nein danke.

So verbringe ich halt den ganzen Tag beim Kaffeetrinken und aufgrund des WLAN’s wird mir zum Glück nie richtig langweilig. Irgendwann bekomme ich Magenkrämpfe von meinem übermässigen Kaffeekonsum, also beschliesse ich, mich ins Zelt zu verkriechen.

Draussen ist es ziemlich kalt geworden und mich friert es sofort. Ein älterer Herr, welcher mir wohl gerade ansieht, dass ich wohl lieber in einem richtigen Bett schlafen würde, sagt zu mir: „Ich hoffe für dich, dass du einen Mann an deiner Seite im Zelt hast, welcher dich die ganze Nacht im Arm hält und wärmt.“ Ich lächle, nein, so schön es auch wäre, ich muss mit meinem Rucksack vorliebe nehmen.

Meine Arbeitskollegen reissen mich aus meinen Grübeleien. Sie haben heute das jährliche Abteilungsessen und senden mir Fotos und liebe Grüsse. Gerade jetzt wäre ich sehr gerne in der Schweiz und vermisse es sogar ein ganz kleines Bisschen, einen geregelten Tagesablauf zu haben. Auch ich proste ihnen mit meiner Wasserflasche zurück, leider gibts bei mir kein Bier..

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29. August 2015 – 51. Tag

Irgendwann in der Nacht hört es auf zu regnen und als ich mein Zelt zusammenpacke, ist es sogar halbwegs trocken. Als dann sogar noch die Sonne scheint, ist der Tag fast perfekt. Ich bin nun auf dem südlichen Kungsleden unterwegs, welcher wieder etwas bekannter ist. Ich treffe viele Wanderer. Die Landschaft ist traumhaft schön.

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Abends bei der Sylarna Fjällstation baue ich wieder mein Zelt auf. Trotz der vielen Leute fühle ich mich einsam. Auf dem Nordkalottleden war es immer sehr familiär wenn man endlich mal wieder einen Menschen getroffen hatte. Hier gibt es so viele Menschen, niemand spricht einfach so miteinander. Ich habe vergessen, wie es sich anfühlt, umgeben von Menschen alleine zu sein. Ich wünsche mir sehnlichst die Einsamkeit des Nordkalottledens zurück.

 

30. August 2015 – 52. Tag

Mittlerweile schlafe ich sehr gut in meinem Zelt, sodass ich irgendwie jeden Tag etwas später aufwache. Als ich endlich abmarschbereit bin, ist es kurz vor Mittag. Der Weg ist streng aber wunderschön. Ich mag die Landschaft hier. Es ist so unendlich weit und still. Den ganzen Tag treffe ich fast niemanden, nur gegen Abend ist vor mir ein älteres Paar, welches ich immer wieder, egal wie oft ich kleine Pausen einlege und egal wie langsam ich auch wandere, einhole. Mühsam, aber überholen möchte ich auch nicht, ich mag es nicht wenn jemand direkt hinter mir läuft und mich so stresst.

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Irgendwie ist heute meine Motivation nicht so da und trotz der wunderschönen Landschaft bin ich schlecht gelaunt und lustlos. Vielleicht weil ich mein ursprünglich geplantes Ziel bereits in Kvikkjokk erreicht hatte?

 

31. August 2015 – 52. Tag

Etwas besser gelaunt breche ich heute gegen Mittag wieder auf. Wow, diese Landschaft, unglaublich wunderschön, ich komme kaum aus dem Staunen raus!

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Ich bin den ganzen Tag alleine unterwegs, nur zwei Frauen überhole ich. Bei der Fjällnäs Stuga stelle ich wieder mein Zelt auf. Die Hütte steht auf einem Hügel und von dort aus hat man eine unglaubliche Weitsicht in jede Richtung. Es geht kein Wind und es ist absolut still hier. Was für ein wunderschöner Ort!

Die zwei Frauen, welche ich überholt hatte, kommen kurze Zeit später auch noch zur Hütte. Sie sind aus Deutschland und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. Vorallem zu Sabine habe ich von Anfang an einen guten Draht. Als wir den Sonnenuntergang bestaunen, sehe ich, wie ihr eine einzelne Träne übers Gesicht läuft. Auch ich bin in einer sehr sentimentalen Stimmung. Diese Schönheit ist wirklich unübertrefflich.

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Für mich absolut einer der schönsten Orte auf der ganzen Welt! Ich werde wiederkommen, ganz bestimmt!

Sehr lange reden Sabine und ich miteinander. Sie erzählt mir von ihrem Leben, dass sie einfach mal raus muss und manchmal wünscht, sie könnte einfach alles hinter sich lassen. Sie sagt mir, dass ich glücklich bin hier, dass sie das in meinen Augen sehen kann. Aber auch ich habe meine unglücklichen Momente. Es ist wunderschön, hier in der Wildnis unterwegs zu sein und jeden Tag bin ich an einem noch schöneren Ort als zuvor. Und doch habe ich mir schon tausend Mal gewünscht, ich könnte diese Eindrücke, dieses Erlebte mit jemandem teilen. Denn auch wenn ich meinen Leuten Fotos zeigen kann, sie werden niemals so fühlen, wie ich das alles erlebt habe. Sie werden mich niemals voll und ganz verstehen. Weil sie nicht hier waren.

 

01. September 2015 – 53. Tag

Die Nacht ist sehr kalt und als ich aufwache, sehe ich an den Fenstern der Hütte der erste Frost. Der Winter kommt immer näher und schon vor ein paar Tagen hörte ich ein paar Leute vom ersten Schnee munkeln.

Bevor ich aufbreche, schiesse ich noch ein Foto vom Hüttenwart.

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Leider kann ich mich nicht an seinen Namen erinnern, aber als ich aufbreche ruft er mir hinterher: „I’ll never forget you, strange girl from Switzerland!!“

Kurz nach Mittag komme ich nach Ramundberget. Ich nehme den Bus nach Funäsdalen, wo ich mir eine dicke Daunenjacke kaufe, da es doch immer kühler wird.

Ich nehme mir ein Zimmer im Hostel. Zum Abendessen kaufe ich mir Salat, ich habe wieder mal Lust auf etwas Gesundes! Doch irgendwas stimmt nicht, mir ist die ganze Nacht übel und ich verbringe eine ziemlich lange Zeit über die Toilette gebäugt..

 

02. September 2015 – 54. Tag

Aufgrund meines Schlafmangels beschliesse ich, es heute langsam anzugehen. Am Nachmittag nehme ich den Bus nach Tänndalen. Dort will ich mir nochmal ein Zimmer nehmen und erst morgen wieder starten. Doch beim einzigen Hotel dieses Dorfes stehe ich vor verschlossenen Türen. Die Saison ist vorbei, das Hotel öffnet erst im Winter wieder. Oh Mist.. ich hatte mich auf ein warmes Bett eingestellt, dass ich nun im Zelt übernachten muss, passt mir gar nicht. Gerade weil auch das Wetter wieder umgeschlagen hat und es ziemlich kalt ist.

Doch ich habe Glück.. ein älterer Herr bringt mich netterweise auf einen Campingplatz, welcher eigentlich nur im Winter geöffnet ist. Da er die Leute kennt, warte ich, als er mit den Männern spricht und fragt, ob ich nicht in einem Bungalow übernachten könnte. Ehrlich gesagt ist mir das Ganze gar nicht geheuer und ich komme mir vor wie in einem schlechten Horrorfilm.. Der Campingplatz ist wohl den Sommer durch die Werkstatt der Männer, welche ihn betreiben. Überall stehen Autos und Maschinen herum und plötzlich taucht ein riesiger Schäferhund auf, gefolgt von einem schmutzigen Mann, der mich zuerst von Kopf bis Fuss mustert als wäre ich ein Stück Fleisch. Mir läuft es kalt den Rücken runter.. da schlafe ich definitiv lieber in meinem Zelt. Doch ich bin voreilig und bald schon habe ich mein eigenes kleines Bungalow.

 

03. September 2015 – 55. Tag

Gegen 10.30 Uhr habe ich meine Hütte geputzt und mich verabschiedet. Der Weg ist sehr einsam und es ist totenstill, so wie ich es liebe! Es geht über ziemlich viele Geröllfelder, doch das stört mich nicht besonders. Nun sind die Blaubeeren reif und ich komme kaum vorwärts, da ich andauernd wieder welche pflücken und essen muss. Auch die berühmten Moltobeere versuche ich. Allerdings kann ich nicht sagen, ob ich diese nun mag oder nicht.. Sie schmecken irgendwie komisch.

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Ich mache eine längere Pause bei einer Rasthütte der Sami.

Ich komme nun ins Rogennaturreservat, eine wunderschöne Gegend. Bei der Skedbrostugan stelle ich mein Zelt auf und gegen ein kleines Entgeld kann ich in der Hütte kochen und mich dort aufhalten. Es wird langsam aber sicher immer kühler und wenn ich draussen hätte bleiben müssen, wäre ich wohl bereits um 18.00 Uhr ins Bett gegangen.

 

04. September 2015 – 56. Tag

Der Tag beginnt sonnig und der Pfad ist angenehm zu wandern, ich bin den ganzen Tag im Wald und habe immer wieder eine wunderschöne Aussicht auf den Rogen.

Bei der Rogenstuga schlage ich wie gestern mein Zelt auf. Beim Hüttenwart kaufe ich Schokolade und gerade als ich sie verputzen will, kommen zwei junge Männer ganz aufgeregt zur Hütte. Sie haben einen riesigen Fisch an der Angel und fragen, ob jemand ein Messgerät hat. Leider kann ich da nicht helfen, allerdings schiesse ich ein Foto, beide sind mächtig stolz auf ihren Fang. Als sie sich umdrehen und weggehen, merke ich, dass der eine ein T-Shirt vom Greenfield Openair trägt, einem ziemlich bekannten Anlass bei uns in der Schweiz. Ich spreche direkt in Mundart und frage, ob sie aus der Schweiz wären? Wie toll wäre es doch, mal wieder Schwiizerdüütsch zu sprechen! Doch sie sind aus Deutschland, Matse jedoch wohnt ganz nah an der Grenze zur Schweiz. Sie sind mit dem Kanu unterwegs und fragen mich, ob ich mit ihnen Fisch essen möchte? Natürlich sehr gerne! Mal was anderes als diese ewigen Fertiggerichte!

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Wir verbringen einen tollen Abend bei einem Feuerchen und Geschichten aus dem Leben. Es tut so gut mal wieder so richtig zu plaudern und lachen. Matse, Olle und Nadia sind genau die Art Menschen, mit welchen ich auch zu Hause immer unterwegs bin. Unkompliziert und sie nehmen mich so wie ich bin. Es ist schön, sich unter Seinesgleichen zu wissen. Mitten in der Nacht fährt mich Matse zurück ans Festland, wo ich mein Zelt habe. Es ist stockdunkel und wenn ich Matse gewesen wäre, hätte ich den Weg niemals zurückgefunden.

 

05. September 2015 – 57. Tag

Der Regen weckt mich. Es regnet in Strömen und ich beschliesse, nochmal einen Tag hierzubleiben. Der Hüttenwart hat wohl Mitleid mit mir, ich darf mein Zelt und Schlafsack in der Sauna aufhängen. Dort ist es immer noch ziemlich warm und so würden meine Sachen ziemlich schnell trocknen. Wie nett! Er bietet mir auch an, bei ihm in der Hütte zu übernachten. Ich weiss, dass er dieses Angebot ohne Hintergedanken gemacht hat, aber mir ist nicht wohl dabei und so lehne ich ab. Bald schon kommen meine deutschen Freunde vorbei und ich beschliesse, eine Nacht bei ihnen auf der Insel zu verbringen.

Nochmal haben wir einen lustigen Abend bei einem Bierchen und Geschichten aus dem Leben.

 

06. September 2015 – 58. Tag

Es ist eiskalt und mehr als einmal wache ich auf, am ganzen Körper zitternd. Selbst als ich sämtliche Kleider trage, friere ich immernoch. Erst sobald sich die Sonne etwas zeigt wird es sofort wärmer. Gemütlich trinken meine Freunde und ich Kaffee. Gegen Mittag essen wir Sonnenblumenkernenbrot, eine Fertigmischung, welche wir in der Pfanne mit viel Oel anbraten. Der Hit! Frisches Brot ist etwas, was ich wirklich unglaublich vermisse. Obwohl ich ehrlich gesagt gestehen muss, dass ich zu Hause gar nicht sehr oft Brot esse. Komisch..

Gegen 13.30 Uhr verabschiede ich mich und mache mich wieder auf den Weg. Einerseits freue ich mich, wieder alleine unterwegs zu sein, anderseits habe ich die Gesellschaft dieser tollen Menschen wirklich sehr genossen und warscheinlich auch gebraucht. Zu lange alleine zu sein ist nicht immer gut und ich habe schon selbst gemerkt, dass ich gegenüber Menschen etwas wunderlich geworden bin.

Die Landschaft ist wie immer unglaublich schön und ich geniesse den Ausblick über den Rogen.

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Irgendwann schlägt das Wetter um, heftige Windböen zerren an mir und erschwehren mein Weiterkommen. Ich beschliesse, mein letztes Bargeld zu opfern und in der Wanderhütte zu übernachten. Zum Glück, ich weiss nicht ob mein Zelt dem Sturm getrotzt hätte.

 

07. September 2015 – 59. Tag

Auch heute ist das Wetter nicht besser, im Gegenteil, der Wind peitscht mir den Regen waagrecht ins Gesicht und manchmal sind die Böen so stark, dass ich mich mit meinen Wanderstöcken dagegenstemmen muss.

Ich bin unendlich froh, als ich endlich in Grövelsjön eintreffe und ein Zimmer beziehen kann. Ich wasche meine Kleider und kaufe mir Proviant für die nächsten Tage. Ich möchte nochmal ein paar Tage im Femundsmarka-Naturreservat und Rogen-Naturreservat unterwegs sein. Meine deutschen Freunde haben mir eine Route empfohlen welche ihnen unglaublich gefallen hatte.

Doch erstmal bin ich zwei Nächte hier und kann zur Genüge Schokolade essen und meine CandyCrush-Sucht ausleben.

 

08. September 2015 – 60. Tag

Nach dem Frühstück beschliesse ich, eine kleine Wanderung zu machen. Ich brauche einfach etwas Bewegung. Die Landschaft um Grövelsjön ist wunderschön, kein Wunder treffe ich auf viele Tageswanderer.

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09. September 2015 – 61. Tag

Gegen 10.00 Uhr marschiere ich wieder los. Strahlend blauer Himmel und kein Wind hat heute viele Wanderer in die Berge gelockt und so brauche ich doch fast zwei Stunden, bis ich die meisten Tagesausflügler hinter mir gelassen habe. Endlich ist es wieder ruhiger. Ich befinde mich nun auf Norwegischem Boden. Ich bin Richtung Sylseth – Svukuriset – Reva – Rogenstuga unterwegs. Von der Rogenstuga aus werde ich nach Tännas gehen, und wahrscheinlich dort meine Wanderschaft beenden. Aber mal schauen.

Die Gegend hier ist wunderschön und der Sonnenuntergang geniesse ich in vollen Zügen.

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10. September 2015 – 62. Tag

Oh mein Gott! In einem Monat muss ich wieder arbeiten, den ganzen Tag im Büro sitzen! Wie die Zeit vorbeigeht.. Ich bin etwas hin und her gerissen. Einerseits freue ich mich darauf, meine Familie und Freunde wieder zu sehen, anderseit weiss ich, dass ich viel zu schnell wieder im Alltag fast ersticken werde. Ich werde das Leben an der frischen Luft und die Stille vermissen. ..Und ich hoffe von ganezm Herzen, dass ich nicht wieder zum selben, „eifältige, dumme Dütschi“ werde, wie ich es vor meiner Wanderung war. Ich denke auf jeden Fall, dass ich mich verändert habe, hoffentlich zum Guten.

An einer wunderschönen Oase schlage ich mein Zelt auf. Was für ein schöner Ort!

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11. September 2015 – 63. Tag

In der Hoffnung die Polarlichter zu sehen, habe ich meinen Handywecker auf 4.00 Uhr gestellt. Als ich aber völlig verschlafen aus dem Zelt krieche, werde ich enttäuscht. Es ist eine wolkenlose, wunderschöne Nacht und trotz der späten Stunde ist es nicht richtig Dunkel. Wunderschön, doch leider ohne Polarlichter.

Nach einem gemütlichen Frühstück gehe ich los. Der Pfad ist steinig und sehr mühsam zu wandern. Einmal versinke ich bis über den Schuhrand im Sumpf, ich bin halt immer noch in Norwegen, dort, wo’s keine Brücken gibt. Als ich zu einer Brücke komme, welche tatsächlich als solche in der Karte verzeichnet ist, muss ich lachen. Ich bin froh regnet es nicht, das könnte unter Umständen ziemlich rutschig werden:

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Einmal verliere ich den Pfad. Beim besten Willen und noch so angestrengtem Suchen, ich kann nirgens mehr einen roten Klecks erkennen. Doch plötzlich sehe ich ihn, den roten Wegmarkierungs-Farbtupfer. Dort wo einst der Pfad verlief, ist jetzt ein See.

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Endlich bei der Reva-Hütte angekommen, bin ich überwältigt. Mit der Abendstimmung ein wunderschöner Flecken Erde.

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12. September 2015 – 64. Tag

Mitten in der Nacht beginnt es zu Regnen. Gestern war der Himmel noch wolkenlos, so schnell kann’s gehen! In einer kleinen Regenpause kann ich mein Zelt etwas trocken reiben und rasch verstauen. Frückstück esse ich in der Hütte, ich bin froh um dieses trockene Plätzchen.

Bald bin ich wieder unterwegs. Es regnet den ganzen Tag etwas, aber nie so stark, dass ich wirklich nass geworden wäre.

Ich passiere uralte Bäume, welche, gemäss den Infotafeln, vor der letzten Eiszeit gestanden hatten.

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Ich bin nun unterwegs nach Tännas, von dort aus will ich nach Stockholm. Ich habe genung vom Wandern und alleine sein. Ich möchte wieder etwas unter Menschen kommen.

So stelle ich ein letztes Mal mein Zelt auf, bevor es wieder zurück in die Zivilisation geht.

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13. September 2015 – 65. Tag

Ich schlafe sehr lange und bleibe auch noch liegen, als ich schon längst wach bin. Meine Motivation ist nicht gerade überwältigend. Der Gedanke an eine warme Dusche lässt mich aber dann doch aus meinem Zelt kriechen. Heute ist mein letzter Wandertag hier in Skandinavien. Also zumindest für diese Saison.

Meine Schuhe und Socken sind so nass, dass ich bei jedem Schritt spühre, wie sich das Wasser verteilt. Aber da ist nichts zu machen. Es regnet und der Boden ist überall ziemlich nass.

Den ganzen Tag geht es durch ziemlich dichten Wald, bis ich plötzlich den Pfad verliere. Nirgendwo kann ich eine weitere Markierung finden. Ich krame meine Karte hervor und versuche mich zu orientieren. Gar nicht so einfach, wenn man nichts anderes als Bäume sieht. Auf einer kleinen Lichtung mit einem See versuche ich es erneut. Direkt vor mir müsste ein kleiner Berg sein, gemäss Karte ca. 900 Meter hoch. Ich habe immer wieder mal einen Berg gesehen, aber dieser war ganz bestimmt nicht nur 900 Meter hoch sondern mindestens 1200 Meter. Fuck, hab‘ ich mich wirklich verlaufen? Ich, ausgerechnet an meinem letzten Tag in der Wildnis, und dass, obwohl ich doch bereits seit mehr als zwei Monaten unterwegs bin..

Ganze zwei Stunden habe ich verloren. Eine Stunde in die falsche Richtung und eine Stunde wieder zurück. Ich bin wütend und so übelgelaunt, dass ich fast zurück renne. Ich will endlich ankommen, ich habe echt überhaupt keinen Bock mehr. Wieder auf dem richtigen Pfad komme ich bald nach Tännäs und kann endlich, endlich aus diesen Schuhen raus, eine warme Dusche nehmen und Kaffee trinken. Der Hüttenwart hilft mir dabei, online ein Ticket für den Bus nach Stockholm zu kaufen, welcher morgen in aller Frühe hier vorbei fährt.

Bald liege ich im Bett, müde von den heutigen Strapazen und froh, endlich in der Zivilisation zu sein. Es kommt mir überhaupt nicht in den Sinn, dass ich genau diese Strapazen mal vermissen würde..

 

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