E1 / NorthCape – Mo i Rana

27.6.2016 – 07.8.2016 –  NorthCape – Mo i Rana

Die Zeit vergeht wie im Flug, mittlerweile bin ich bereits 3 Monate unterwegs und nehme mir nun endlich Zeit, hier mal wieder etwas zu schreiben.

Mein Hinflug verlief diesmal ohne Probleme, bereits im Zug an den Flughafen habe ich den ersten Wanderer getroffen, welcher mich bis Alta ‚verfolgt‘ hat.

Erst am Tag darauf bin ich am NorthCape angekommen, bei sonnigem Wetter, tollen Temperaturen, mit vollgepacktem und unglaublich schweren Rucksack. Nach den obligaten Fotos bin ich auch bald darauf losgewandert.

NorthCape

Da es leider auf der ersten Strecke noch keinen markierten Trail gibt, oder ich diesen auf jeden Fall nicht gefunden habe, habe ich bereits nach 2km mit dem ersten Tief zu kämpfen. Bald darauf hält auch schon der erste Autofahrer an, Sebastian aus Deutschland lädt mich ein, mich bis nach dem Nordkaptunnel mitzunehmen. Ein Angebot welches ich nicht ablehnen kann. Er ist so von meinen Wanderplänen begeistert, dass er mich die erste halbe Stunde auf dem markierten Trail nach dem Tunnel begleitet. Doch sobald die ersten Mücken uns überfallen, verabschiedet er sich und kehrt wieder um.

Die ersten Tagen sind wie letztes Jahr unglaublich streng. Mehr als 20km schaffe ich nicht. Da ich aufgrund eines Zeckenbisses noch Antibiotika verschrieben bekommen habe, kriege ich einen fürchterlichen Sonnenbrand an den Händen und im Gesicht, welcher mich in der Nacht wach hält und bald schon laufe ich mit nassen Socken um die Hände gewickelt und mit der Regenjacke als Turban auf dem Kopf durch die Wildnis.

Sonnenbrand

Nach einer Woche schlägt das Wetter um, eine ganze Woche lang regnet es fast ununterbrochen. Zelt, Schlafsack, Kleider, Schuhe und Socken sind nass, weit und breit gibts keine Hütten oder Windshelter und Abends verzichte ich oft aufs Kochen, weil ich einfach keine Lust habe, noch länger im Regen zu stehen.

Erst kurz vor Maze, dem ersten kleinen Ort, welchen ich passiere, gibts eine Übernachtungsmöglichkeit, welche ich in vollen Zügen ausnutze und geniesse. Gott, ist das schön endlich mal wieder alles trocken zu kriegen! Es gibt sogar eine Sauna und ich kann mich endlich mal wieder aufwärmen. Doch schon am nächsten Tag gehts wieder weiter, es gilt noch einen grösseren Fluss zu durchwaten, bevor ich Maze erreiche. Auf halbem Weg kommt mir ein Wanderer entgegen, welcher es nicht durch den Fluss geschafft hat. Er rät mir dringend davon ab es zu probieren. Er selbst habe wirklich Todesangst gehabt und wird sich nun einen anderen Weg zurück in die nächste Zivilisation suchen. Als ich dann endlich an besagtem Fluss stehe, verstehe ich, was der Herr gemeint hat. Aufgrund des vielen Regens, hat sich der Fluss in ein reissendes Wildwasser verwandelt, absolut unmöglich für mich, da rüber zu kommen. Doch ich habe unglaubliches Glück.. Plötzlich kommt mir ein Einheimischer auf einem achträdrigen Squat entgegen und fragt mich, ob er mich über den Fluss bringen soll. Klar!

Am nächsten Tag erreiche ich dann endlich, totmüde, hungrig und nass bis auf die Knochen Maze, wo ich mir den Luxus einer kleinen Hütte leiste. Hauptsache ich muss nicht im nassen Zelt schlafen.

Isaac, ein älterer Einheimischer, bringt mich am nächsten Morgen nach Kautokeino. Zwar regnet es nicht mehr, trotzdem soll die Strecke zwischen Maze und Kautokeino nicht sonderlich schön sein, weshalb es mir egal ist, dass ich nun nicht wandern muss.

In Kautokeino kaufe ich mir das Essen für die nächsten Tage, morgen gehts wieder weiter auf dem altbekannten Nordkalottleden. Darauf freue ich mich, ich weiss ja noch, wie schön diese Strecke letztes Jahr war.

Doch schon der erste Fluss bereitet mir Schwierigkeiten. Das Wasser reicht mir bis zum Bauch und ich habe keine Chance, ihn zu durchqueren. Unschlüssig schlage ich mein Zelt auf und erwäge meine Möglichkeiten. Ich könnte der Strasse folgen, und so den reissenden Fluss umgehen. Doch dort wird bereits der nächste Fluss kommen, und auch dieser ist gemäss meinen Erinnerungen ziemlich breit und tief. Ein älteres Ehepaar, welches ich unterwegs treffe, nimmt mir meine Entscheidung ab. Gemäss den Nachrichten gibt es in der Region um Kautokeino über 1 Meter höhere Wasserstände als üblicherweise um diese Zeit. Also kehre ich um. Per hitchhiking versuche ich bis nach Kilpisjärvi zu kommen. Und ich habe Glück, schon der erste Lastwagen hält an und nimmt mich sogar bis Kiruna mit, welches ich mitten in der Nacht erreiche. Neben einem Friedhof schlage ich mein Zelt auf und versuche zu schlafen. Allerdings gelingt mir das nicht wirklich, bei jedem kleinen Geräusch schrecke ich auf.

Am nächsten Morgen fahre ich nach Abisko, von wo aus ich auf dem Norkalottleden bis Ritsem laufen werde. Das Wetter ist nicht besonders und wie auch schon letztes Jahr bin ich von der Touristenmenge auf dem Kungsleden überfordert. Erst auf dem Pjadelantaleden, Ritsem bis Sulitjelma wirds wieder ruhiger und ich kann die Wanderung wieder etwas geniessen. Auch das Wetter ist endlich mal gut und zum Teil ist es so heiss, dass ich sogar freiwillig ins kalte Nass springe.

Sonnenuntergang

In Sulitjelma nehme ich mir das erste Mal seit meinem Start Ende Juni einen Tag Auszeit. Allerdings laufe ich ohne Gepäck ins 4 km und 500 Höhenmeter entfernte Dorf, um mir Süssigkeiten zu kaufen. Am nächsten Tag habe ich tatsächlich Muskelkater!

Kurz nach Sulitjelma treffe ich auf einen Norweger und zum ersten Mal in meiner ganzen Wanderkarriere laufe ich den ganzen Tag mit Gesellschaft. Obwohl ich wohl eher rennen muss um mit ihm mitzuhalten. Auch er ist bereits seit einiger Zeit unterwegs. Wir haben gute Gespräche und ich merke, wie viel weniger schlimm es ist, im Regen zu wandern, wenn man Gesellschaft hat. Bald schon bin ich aber müde und beschliesse, mein Zelt aufzuschlagen. Er wandert noch etwas weiter und so verabschieden wir uns.

Regenwetter

Wieder regnet es mehrere Tage, aber irgendwie habe ich wohl langsam eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Nässe entwickelt, es ist mir egal, dass alles feucht ist, ich wandere einfach jeden Tag weiter.

Wieder so ein Regentag, mit eingezogenem Kopf laufe ich durch die Wildnis und wieder einmal frage ich mich, was zur Hölle ich hier eigentlich tue, als mir zwei Wanderer entgegenkommen. Schon von Weitem strahlen mich die beiden jungen Herren an, als wäre Weihnachten und automatisch muss ich zurücklächeln. Wir plaudern ein paar Minuten, bevor wir uns wieder verabschieden. Auch Abends, als ich ins nasse Zelt krieche, muss ich immer noch lächeln. Guy’s, you really made my day!

Yannik & Viktor

Mein nächstes Ziel, das Abendbuffet des Polarsirkelen Hotell im Saltfjell kommt immer näher. Schon mehrere Wanderer haben mir von diesem Buffet vorgeschwärmt und da ich sowieso immer hungrig bin, habe auch ich mir vorgenommen, dort dieses All-you-can-eat-Buffet auszukosten. Und ich werde nicht enttäuscht. Drei mal fülle ich meinen Teller wieder neu auf, Fleisch, Gemüse, frisches Brot, Salat, Fleisch, Fleisch, Fisch, …ich kann gar nicht genug kriegen. Ich esse so viel, dass ich bis weit nach Mitternacht nicht schlafen kann. Aber lecker wars auf jeden Fall!

Die Tage sind sehr streng, die Etappen werden immer länger und oft bin ich bis kurz vor 20.00 Uhr unterwegs und falle nach einem hastigen Abendessen todmüde ins Bett. Die Landschaft hat sich etwas verändert, immer öfter passiere ich kurze Abschnitte im Wald, was vorher nur sehr selten der Fall war. In einer norwegischen Hütte, Nähe Mo i Rana, treffe ich Hanna, eine Botanikerin, welche mir das Angebot macht, mich bis nach Mo i Rana mit dem Auto mitzunehmen. Da ich mehr gegessen als kalkuliert habe, nehme ich das Angebot gerne an. Ich brauche dringend Essensnachschub.

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